Emmanuel Moyne, Anwalt der abwesenden Hassa bint Salman.

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Paris – In Paris hat der Prozess gegen die saudi-arabische Prinzessin Hassa bint Salman und ihren Leibwächter begonnen. Die Schwester des Kronprinzen Mohammed bin Salman blieb dem Prozessauftakt am Dienstag fern. Auch der Kläger, der Handwerker Ashraf Eid, der nach eigenen Angaben auf Geheiß der Prinzessin geschlagen und von ihr gedemütigt und beleidigt worden war, war nicht anwesend. Eine Aussage vor Gericht machte zunächst nur der beschuldigte Leibwächter Rani Saidi.

Auslöser der mutmaßlichen Gewalt war laut Anklage ein harmloses Foto: Eid sollte im September 2016 Reparaturen in der luxuriösen Wohnung der Prinzessin in der Avenue Foch im Pariser Westen ausführen. Nach eigenen Angaben machte er ein Bild des Badezimmers, in dem er ein Waschbecken reparieren sollte. Die Prinzessin, die in diesem Moment das Bad betrat, habe ihm vorgeworfen, Abzüge ihres Spiegelbildes zu machen, um sie an die Presse zu verkaufen.

Gefesselt zum Füßeküssen gezwungen

"Ich habe die Prinzessin um Hilfe rufen gehört", sagte der Leibwächter Saidi am Dienstag vor Gericht. Daraufhin habe er den Raum betreten und gesehen, wie sich die Prinzessin und Eid um das Handy des Handwerkers stritten. "Ich habe ihn gepackt und ihn unter Kontrolle gebracht. Ich wusste nicht, was er vorhatte."

Eid beschrieb den Ermittlern dagegen, wie die Prinzessin ihren Leibwächter anwies, ihn zu schlagen. "Dieser Hund muss getötet werden, er verdient es nicht zu leben", habe Hassa bint Salman gesagt, zitierte die Zeitschrift "Le Point" den Handwerker. Außerdem habe er sich mit gefesselten Händen niederknien und die Füße der Prinzessin küssen müssen. Erst nach Stunden habe er die Wohnung wieder verlassen dürfen.

Die Schwester des mächtigen saudi-arabischen Thronfolgers wird wegen des Vorfalls seit Dezember 2017 mit französischem Haftbefehl gesucht. Die Anklage lautet auf Anstiftung zur körperlichen Gewalt und zur Freiheitsberaubung. Zudem wirft ihr der Handwerker Diebstahl vor, weil sie sein Handy weggenommen haben soll.

Vorwürfe bestritten

Saidi muss sich wegen Gewalt unter Zuhilfenahme einer Waffe und Freiheitsberaubung verantworten. Der Mitarbeiter von Hassa bint Salman bestreitet die Vorwürfe. Es gebe "zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten" in der Darstellung des Handwerkers, erklärte der Anwalt des Leibwächters. Die Saudi-Araber haben den Handwerker ihrerseits wegen übler Nachrede verklagt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Königsfamilie aus Riad Ärger mit der französischen Justiz hat: 2013 hatten Richter die Beschlagnahmung von in Frankreich erworbenen Gütern von Maha Al Sudairi angeordnet, der Exfrau des verstorbenen Kronprinzen Najef bin Abdelaziz Al Saud. Die Prinzessin hatte bis Juni 2012 mit einer rund 60-köpfigen Entourage monatelang im Pariser Luxushotel Shangri-La residiert – und blieb am Schluss fast sechs Millionen Euro schuldig. (APA, 10.7.2019)