Bei der heimischen Wirtschaft gefragte Absolventen sollen direkt von den Unis nach Österreich geholt werden.

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Wien – "Rufen Sie nicht an, wir rufen Sie an." Für frischgebackene IT-Fachkräfte auf Jobsuche in Österreich gilt dieses Motto nicht als Abwimmelversuch, sondern im Gegenteil als Anbahnung: Firmen melden sich mit Stellenangeboten, noch bevor sich die Absolventen aktiv nach Arbeit umsehen.

Die Zahlen zum Fachkräftemangel über alle Branchen betrachtet machen das Problem deutlich: Laut Wirtschaftskammer werden 162.000 Fachkräfte gesucht, dabei sind mehr als die Hälfte der Stellen über sechs Monate unbesetzt. Die Konsequenz: Viele mittelständische Betriebe müssen Aufträge ablehnen. 40 Prozent von ihnen beklagen deswegen Umsatzeinbußen, wie eine Erhebung von EY ergab.

Um die angespannte Lage zu entschärfen, soll die Austrian Business Agency (ABA) fortan Fachkräfte aus dem Ausland für Österreich begeistern, wie Wirtschaftsministerin Elisabeth Udolf-Strobl am Mittwoch bekanntgab. Die Situation am Arbeitsmarkt würde auch belegen, dass zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland keine heimischen Bewerber verdrängen, betont die Ministerin.

Fokus auf IT und Elektrotechnik

Die ABA, bisher rein dafür zuständig, ausländische Betriebe in Österreich anzusiedeln, erhält mit der Initiative "Work in Austria" ein zweites Standbein. Das Budget wird dafür von aktuell 4,3 auf jährlich sieben Millionen Euro aufgestockt. Rund die Hälfte der Mittel fließen in die Anwerbung von Fachkräften.

ABA-Chef René Siegl (li.) präsentiert mit Wirtschaftsministerin Elisabeth Udolf-Strobl (re.) die neue Initiative, um Fachkräfte nach Österreich zu holen.
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Die ABA will sich in einer ersten Phase auf Elektro-, Metall- und IT-Fachkräfte aus Polen, Rumänien und Bulgarien fokussieren. Geplant ist, auf Jobmessen um Absolventen zu werben oder etwa einen Hackathon – einen Wettbewerb für Programmierer – in Bukarest zu veranstalten. Kooperationen mit Unis sollen Absolventen direkt nach Österreich lotsen.

ABA-Chef René Siegl stellt auch klar, was seine Agentur nicht machen werde: "Wir sind kein Recruitung-Service". Einzelne Unternehmen können nicht für direkte Jobvermittlung an die Agentur wenden. Auch werde die ABA keine Fachkräfte für heimische Unternehmen für deren Standorte im Ausland anwerben. Eine Datenbank von Bewerberprofilen soll es auch nicht geben.

Wie viele Fachkräfte mit der Initiative nach Österreich geholt werden können, lasse sich nicht abschätzen. "Ich will keinen Zahlen aus der Luft greifen", sagt Udolf-Strobl. Die Devise lautet, auszuprobieren und bei Erfolg auszubauen. Geplant ist, später in Griechenland und Kroatien aktiv zu werden. Auch für die Übersiedlung nach Österreich will man einen Service einrichten. (Leopold Stefan, 10.7.2019)