Wenn es nach Djokovic geht, soll da der Pokal wieder hin.

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Diesbezüglich hat auch Nadal einmal mehr seine Ambitionen angemeldet.

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Ebenso wie Federer.

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Und auch ein gewisser Herr Agut.

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Wimbledon – Der Titelverteidiger ist auf Kurs: Novak Djokovic fehlen in Wimbledon nur noch zwei Siege zum erneuten Triumph. Der Weltranglistenerste aus Serbien gewann am Mittwoch mühelos 6:4, 6:0, 6:2 gegen den Belgier David Goffin und erreichte damit zum zehnten Mal das Halbfinale. Dort bekommt er es mit Roberto Bautista Agut zu tun. Der 31-jährige Weltranglisten-22. setzte sich gegen Guido Pella 7:5, 6:4, 3:6, 6:3 durch und hat damit erstmals ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht.

Der Erfolgslauf von Sam Querrey ist erwartungsgemäß von Rafael Nadal gestoppt worden. Der spanische Weltranglistenzweite ließ dem Auftaktrunden-Bezwinger von Dominic Thiem keine Chance und setzte sich nach etwas mehr als zwei Stunden mit 7:5, 6:2, 6:2 durch. Im Halbfinale kommt es zum Klassiker gegen Roger Federer.

Der Schweizer hatte mit dem auf Position acht eingestuften Japaner Kei Nishikori mehr Mühe und behielt in 2:36 Stunden mit 4:6, 6:1, 6:4, 6:4 die Oberhand. Für Federer war es der 100. Matchsieg am "Heiligen Rasen". Der beförderte ihn zum 13. Mal ins Wimbledon-Halbfinale. Mit Nadal kommt es nun zum 40. direkten Duell. Der Spanier hat mit 24:15-Siegen die Nase vorne. 2019 profitierte Federer im Indian-Wells-Halbfinale von einem Nicht-Antreten Nadals, in der French-Open-Vorschlussrunde siegte Nadal 6:3, 6:4, 6:2. Es war zugleich der einzige Erfolg des Mallorquiners in den jüngsten sieben Aufeinandertreffen.

Vorfreude auf Gigantenduell

In Wimbledon trafen die beiden Superstars bisher dreimal aufeinander und dabei jeweils im Finale. 2006 siegte Federer in vier Sätzen, 2007 in fünf Durchgängen. In einem packenden Endspiel 2008 drehte Nadal den Spieß in einem fast fünf Stunden dauernden und mit 9:7 endenden Fünf-Satz-Krimi um. "Viele haben 2008 schon gesagt, es ist das Ende, und bei mir 2009 genauso. Aber wir sind noch immer da. Es ist toll, hier wieder einmal gegen ihn zu spielen", sagte der 37-jährige Federer. Der 33-jährige Nadal sah das genauso: "Das ist großartig. Es ist aufregend, hier in Wimbledon nach so einer langen Zeit wieder gegen Roger zu spielen."

Federer hatte während der Partie nicht im Kopf, als erster Spieler die 100-Einzelsiegmarke bei ein und demselben Grand-Slam-Turnier zu knacken. "Während der Partie habe ich nicht daran gedacht, ein Fan hat mich daran erinnert, als ich Autogramme geschrieben habe", gab Federer Einblick. "Es ist schon speziell. Wenn ich auf die 100 zurückblicke, waren einige unglaublich cool. 100 Siege hier in Wimbledon. Wer hätte das gedacht?", so der Rekord-Grand-Slam-Sieger.

Federer-Fehlstart

Federer hatte gegen Nishikori einen Fehlstart erwischt, direkt zum Auftakt ein Break kassiert und von den ersten 14 Ballwechseln nur drei gewinnen können. Dem Rückstand lief der 20-malige Grand-Slam-Sieger im ersten Satz letztlich erfolglos hinterher. Allerdings steigerte er sich schon dort kontinuierlich. Im zweiten Durchgang war Federer dann voll da, stürmte in 23 Minuten zum Satzgewinn. Obwohl sich Nishikori anschließend nach Kräften wehrte, ließ der Maestro nun nichts mehr anbrennen. Federer beendete das Match mit einem Ass.

Durch seinen Erfolg krönte sich Federer auch als bald 38-Jähriger zum ältesten Grand-Slam-Halbfinalisten seit Jimmy Connors bei den US Open 1991. "Es war schwierig. Der Anfang war brutal. Es war wichtig für mich, im zweiten Satz dann in Führung zu gehen", analysierte der Ex-Weltranglistenerste. Ab dem zweiten Satz kontrollierte Federer das Tempo der Ballwechsel besser und schlug auch stärker auf.

Nadal hatte gegen Querrey nur im eine Stunde dauernden ersten Satz einige Mühe gehabt. In der Folge kassierte er kein weiteres Break. Er konnte sich gegen Querrey auch auf seinen Aufschlag verlassen. Er sorgte dafür, dass erstmals überhaupt zwei Spanier (Anm.: Roberto Bautista Agut qualifizierte sich zuvor) im Wimbledon-Halbfinale stehen.

Djokovic zu Beginn gefordert

Djokovic hatte im Duell der Dauerläufer mit dem quirligen Goffin letztlich wenig Mühe, musste sich nur im ersten Satz etwas mehr anstrengen. Mit seinem unspektakulären aber auch wenig fehleranfälligen Spiel erspielte sich Goffin einige Chancen gegen den Topfavoriten. "Er hat gut angefangen, das Spiel von der Grundlinie diktiert. Aber dann habe ich ein gutes Spiel gemacht", sagte Djokovic. "Die Dinge hätten auch anders laufen können. Aber im Endeffekt war ich zufrieden damit, wie ich aufgetreten bin."

Gegen Agut hat Djokovic mit 7:3-Siegen im Head-to-Head zwar die Nase vorne, die einzigen beiden Duelle 2019 – in Doha und Miami auf Hartplatz – gingen aber an den Spanier. "Er ist sehr konstant was seine Schläge betrifft, sein Tennis in diesem Turnier ist von sehr hoher Qualität", zeigt der Australian-Open-Gewinner Respekt.

Mit Verspätung nach Ibiza

Agut behielt im ersten Wimbledon-Viertelfinale zweier Nicht-Top-20-Spieler seit 2013 die Oberhand. Er profitierte dabei auch davon, dass Pella bis zum Viertelfinale sechs Stunden länger auf dem Platz gestanden war. Die Halbfinalteilnahme kam für den Spanier überraschend. "Ich hatte eigentlich geplant mit meinen Freunden jetzt in Ibiza zu sein, die sind alle dort. Weiter hier in London zu sein, ist aber noch besser", sagte Agut. (sid, APA, red, 10.7.2019)