Hier sollen die Daten eintreffen, die von der irdischen Fauna hochgeschickt werden.
Foto: Reuters/NASA

Radolfzell/Bonn – Wegen technischer Probleme ist der Start des neuartigen Icarus-Systems zur Erfassung von Tierbewegungen erneut verschoben worden. Eigentlich hätte der Computer auf der Raumstation ISS am Mittwoch eingeschaltet werden sollen, wie Projektleiter Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz sagte. Die Belüftung des Geräts habe allerdings nicht richtig funktioniert, weshalb der Computer wieder heruntergefahren wurde.

Icarus ist ein Kooperationsprojekt der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Uni Konstanz. Mit dem weltraumgestützten Beobachtungssystem wollen Wissenschafter mehr über das Leben der Tiere auf der Erde herausfinden: auf welchen Routen sie wandern, unter welchen Bedingungen sie leben und vor allem wie sie am besten geschützt werden können.

Ein Hellroter Ara erhält von Projektleiter Martin Wikelski einen wenige Gramm schweren Icarus-Sender.
Foto: S. Izquierdo

Die Forscher rüsten dabei Tiere unterschiedlicher Spezies mit Miniatursendern aus, die ihre Messdaten an eine Empfangsstation im All schicken. Diese übermittelt sie an eine Bodenstation, von dort gelangen sie zu den jeweiligen Forscherteams. In den nächsten Jahren sollen dafür mehrere zehntausend Tiere besendert werden. Die Resultate werden unter anderem in der für jedermann frei zugänglichen Datenbank Movebank veröffentlicht.

Doch jetzt heißt es noch etwas länger warten. Im ersten Moment sei die Verzögerung enttäuschend, sagte Wikelski. "Ich bin aber trotzdem positiv gestimmt. Der Computer an sich funktioniert. Es gibt zwar Probleme, aber wir wissen, woran sie liegen – und es gibt einen Plan, wie sie behoben werden können."

Wann der zweite Versuch starten soll, ist noch nicht klar. Für die Behebung der Probleme würden Kosmonauten der ISS gebraucht, sagte Wolfgang Pitz vom Raumfahrtunternehmen SpaceTech aus Immenstaad am Bodensee. Die Firma ist an Icarus beteiligt und hat unter anderem die Antenne für das Projekt entwickelt. Auf der Raumstation gebe es jedoch einen engen Zeitplan für die Kosmonauten. "Wir müssen sehen, wann sie es unterbringen können." (red, APA, 10. 7. 2019)