Trotz der schweren Vorwürfe demonstrieren in New York mehrere Menschen für Jeffrey Epstein. Neben seinem Konterfei halten sie auch jenes von US-Präsident Donald Trump in die Höhe.

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Zwei amerikanische Präsidenten, ein britischer Prinz, ein schillernder Rechtsgelehrter aus Harvard: An Prominenz mangelt es nicht in dieser Geschichte. Vor allem aber handelt sie davon, wie man mit Geld und guten Beziehungen in den Genuss einer juristischen Vorzugsbehandlung kommt, auch dann, wenn man wohl schwere Sexualstraftaten begangen hat.

Es ist einiges, das sich in der Causa Jeffrey Epstein bündelt. Der 66-jährige Investmentbanker wurde festgenommen, als er am Wochenende von einer Reise nach Paris zurückkehrte. Die New Yorker Justiz wirft ihm vor, zwischen 2002 und 2005 mehrere Dutzend minderjähriger Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Mit dem Versprechen, ihnen dreistellige Dollarsummen zu zahlen, lockte er sie demnach in zwei seiner Anwesen. Sie mussten sich ausziehen, dann verlangte er Massagen, die häufig mit Sex endeten.

Ein Netzwerk von Mädchen

Manche seiner Opfer habe Epstein, so Staatsanwalt Geoffrey Berman, mit der Aussicht auf Prämien dazu gebracht, neue Mädchen anzuwerben. Auf diese Weise habe er ein "gewaltiges Netzwerk" geknüpft, das er sexuell ausbeuten konnte. Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen, was der Täter in aller Regel gewusst habe.

Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem Financier, der die Vorwürfe bestreitet, bis zu 45 Jahre Haft. Das ist das eine. Das andere ist die politische Dimension, die auch den US-Präsidenten in Zugzwang bringt. Denn ein wichtiges Kapitel der Geschichte handelt von einem Mann, der im Kabinett Donald Trumps das Ressort Arbeit leitet und der 2007/08 einen höchst anrüchigen Deal mit den Anwälten des Bankers aushandelte.

Nur nachts im Gefängnis

Alexander Acosta, damals oberster Ankläger der Bundesbehörden im Süden Floridas, ließ sich auf einen Kompromiss ein. Epstein bekannte sich zwar schuldig, Minderjährige zur Prostitution angehalten zu haben, worauf sein Name in der Sexualstraftäter-Kartei landete. Ein Verfahren vor einem Bundesgericht, an dessen Ende er womöglich lebenslänglich bekommen hätte, blieb ihm jedoch erspart. Zu 13 Monaten Freiheitsentzug verurteilt, durfte er tagsüber arbeiten, als wäre nichts geschehen. Nur die Nächte musste er im Gefängnis verbringen.

Nun, da die Justiz den Fall noch einmal aufrollt, sieht sich Trump mit der Forderung konfrontiert, seinen Arbeitsminister unverzüglich zu entlassen. Acosta habe eine zutiefst gewissenlose Abmachung getroffen, kritisiert Nancy Pelosi, die Chefin des Parlaments. Indem er den Deal geheimgehalten habe, habe er es den Opfern zudem erheblich erschwert, ihrerseits auf Gerechtigkeit zu drängen.

Bestens vernetzt

Jeffrey Epstein war nicht nur reich, er war auch politisch bestens vernetzt – obendrein so etwas wie die Verkörperung des amerikanischen Traums vom Aufstieg aus einfachsten Verhältnissen an die Spitze der Wohlstandspyramide. Sein Vater hatte noch für die Stadtparkverwaltung in Brooklyn gearbeitet, er selber unterrichtete nach einem abgebrochenen Studium Mathematik und Physik an einer Privatschule in Manhattan.

Die Kontakte, die er dort knüpfte, ermöglichten ihm den Einstieg bei Bear Stearns, einer Investmentbank. 1981 gründete er seine eigene Vermögensverwaltung, deren exklusiven Charakter er unterstrich, indem er betonte, sich nur um Kunden mit Milliardenvermögen kümmern zu wollen.

Sein Freund Bill Clinton

Mit der Zeit wurde er zur Legende, und er genoss den Ruhm. Aus Prestigegründen suchte er die Nähe zu politischer Prominenz, etwa zu Bill Clinton, mit dem er – nach dessen Abschied vom Weißen Haus – nach Afrika flog, um Programme für den Kampf gegen Aids zu unterstützen. Zu seinem Freundeskreis gehörte Andrew, der Duke of York. Für den Prinzen soll er Liebesnächte mit einer damals 17-Jährigen arrangiert haben, was das britische Königshaus dementiert.

Alan Dershowitz, der Harvard-Jurist, der schon Footballprofi O. J. Simpson verteidigte, gehörte zu dem Anwaltsteam, das die Absprachen mit Acosta einfädelte. Und Trump, der den Strandclub Mar-a-Lago in Palm Beach kaufte, nicht weit von Epsteins Anwesen, schwärmte von einem "großartigen Kerl". Er kenne Jeff schon seit 15 Jahren, es sei immer sehr lustig mit ihm, sagte er 2002 dem New York Magazine. "Man sagt sogar, er möge schöne Frauen genauso sehr wie ich, und viele von ihnen sind auf der jüngeren Seite. Kein Zweifel, Jeffrey genießt sein Sozialleben." (Frank Herrmann aus Washington, 10.7.2019)