Julie Ertz, Megan Rapinoe und Alex Morgan (von links) entstiegen in Newark, New Jersey, recht aufgekratzt dem Flieger aus Frankreich.

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Der Zug zum Tor hat den Fußballerinnen aus den USA nicht nur den vierten Weltmeistertitel beschert. Das forsche Auftreten von Megan Rapinoe und Kolleginnen im fernen Europa hat in den Staaten die Gleichstellungsdebatte ordentlich befeuert. Senator Joe Manchin, ein Demokrat aus West Virginia, brachte am Dienstag einen entsprechenden Gesetzentwurf ein. Demnach soll die Regierung erst dann Mittel für die Männer-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bereitstellen, wenn der nationale Fußballverband USSF seine Teamspielerinnen und -spieler gleich bezahlt. Spätestens der 2:0-Finalsieg am vergangenen Sonntag gegen die Niederlande habe für den benötigten "öffentlichen Aufschrei" gesorgt, sagte Manchin: "Sie sind die Besten der Welt und sollten entsprechend entlohnt werden." Die deutlich ungleiche Bezahlung der Männer- und Frauenteams sei inakzeptabel.

Im Gegensatz zur Klage, die die Fußballerinnen wegen Geschlechterdiskriminierung gegen den Verband angestrengt haben, dürfte Manchins Entwurf nur relativ geringe Chancen haben. Zunächst müssten ihn Senat und Repräsentantenhaus bewilligen, zudem bedarf er der Zustimmung von Präsident Donald Trump. Ein Veto des 73-Jährigen könnte nur durch eine weitere Abstimmung außer Kraft gesetzt werden.

Die offenbar weiter wachsende Überlegenheit des weiblichen Fußballs aus den USA resultiert nicht zuletzt aus einem demokratischen Gesetzesentwurf.

Wiege des Erfolges

Die Annahme eines von Senator Birch Evans Bayh II aus Indiana angeregten Paragrafen zu den United States Education Amendments 1972 stellte den Frauensport auf feste finanzielle Beine. Fortan mussten staatliche Mittel für Sportprogramme an Schulen und Hochschulen proportional zur Anzahl der männlichen und weiblichen Teilnehmer ausgeschüttet werden. Frauenfußball profitierte besonders, schließlich wird in den USA die Basis für den Spitzensport kaum in Vereinen, sondern überwiegend in Schulen gelegt. Die wenigsten Weltmeisterinnen haben abseits der schulischen Karriere mit dem Fußball begonnen.

ÖFB-Frauen zurückhaltend

Österreichs Teamfußballerinnen kommen allesamt aus Vereinen. Von deren Aufgeschlossenheit gegenüber Frauenfußball hängt zunächst das Fortkommen ab. Seitens des Fußballbundes (ÖFB) war die Installierung des Nationalen Zentrums für Frauenfußball in St. Pölten 2011 ein richtiger und richtig überfälliger Schritt. Dass Spielerinnen für ihren Einsatz für Österreich ein professionelles Umfeld vorfinden und versichert sind, gilt als Selbstverständlichkeit. In Dänemark musste die Frauenauswahl, immerhin EM-Zweite, auch dafür erst streiken. In Fragen der Entlohnung durch den Verband haben sich Österreichs Teamspielerinnen stets zurückhaltend geäußert und wurden dafür auch kritisiert. Sie müssten "einen Schritt setzen, den Aufwind der EM-Euphorie und der großen Transfers ins Ausland nutzen", sagte die Sportanwältin Christina Toth erst kürzlich dem STANDARD.

Dem Team von Coach Dominik Thalhammer ist jedenfalls keine Sprecherin vom Schlage einer Megan Rapinoe gegeben. Die bekräftigte vor der insgesamt 207. Parade durch den sogenannten Canyon of Heroes in New York, eine noch gar nicht ausgesprochene Einladung nicht annehmen zu wollen. Die Kapitänin glaubt nicht, dass ihre Mitspielerinnen im Weißen Haus aufschlagen. "Ich würde nicht gehen, und jede Mannschaftskollegin, mit der ich explizit darüber gesprochen habe, würde auch nicht gehen", sagte die 34-Jährige zu CNN. Niemand habe ein Interesse daran, sich "von dieser Regierung vereinnahmen und korrumpieren zu lassen". Trumps Slogan "Make America Great Again" verkläre nur die Vergangenheit. Seine Botschaft schließe Menschen aus.

Einer Einladung ins Kapitol, die führende Mitglieder der Demokraten bereits ausgesprochen haben, wollen die Weltmeisterinnen Folge leisten. (sid, lü, 10.7.2019)