Bei der ersten Insolvenz hatte das Unternehmen eine Verschuldung von rund zwei Millionen Euro.

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Wien/Pöllau – Er habe eben erst selbst von der neuerlichen Insolvenz erfahren, sagt Karl Polzhofer. Der Fall sei verworren, zumal der Betrieb so gut wie keine Schulden habe. Polzhofer baute in dritter Generation den steirischen Möbelproduzenten Kapo auf.

Bei Architekten beliebt, holte sich der Betrieb immer wieder renommierte internationale Aufträge. 2018 rutschten die Möbelwerkstätten in die Pleite. Im Juni folgte die Insolvenz der Holding. Nun meldete die Möbelproduktion erneut Konkurs an.

75 Mitarbeiter betroffen

Die zweite Quote für den Sanierungsplan wurde nicht bezahlt. 75 Mitarbeiter sind Polzhofer zufolge betroffen. Kapo ist unter der Marke Neue Wiener Werkstätte bekannt. Er wollte für eine Finanzierungszusage der Banken haften und dafür im Gegenzug Stimmrechte, sagt er – was aber abgelehnt wurde.

Der Senior gab den Betrieb vor Jahren in gleichen Teilen an seine drei Kinder ab, zog sich aus dem operativen Geschäft zurück und hält selbst nur noch ein Prozent der Anteile. "Ich hoffte, das Verbindende sei stärker als das Trennende." Im Nachhinein würde er heute wohl anders agieren, räumt Polzhofer ein. "Es ging alles sehr schnell."

Kapo rutschte in familiäre Konflikte. Ein Schauraum am Wiener Schottenring kostete Millionen. "Das Geld versickerte, Lehren wurden keine daraus gezogen." Für nicht rentabel hält Polzhofer auch eine neue Kooperation mit dem deutschen Vertriebspartner Piure.

Nicht alle Teile betroffen

Nicht betroffen von der Insolvenz ist der Creditreform zufolge die Fenster- und Türenproduktion der Gruppe mit weiteren mehr als 100 Beschäftigten. Auch dem Möbelgeschäft fehle es nicht an Aufträgen, ist Polzhofer überzeugt. "Wir suchen dafür eigentlich ständig Mitarbeiter, arbeiten teils auch an den Wochenenden." Ist die Finanzierung geklärt, soll der Betrieb laut Kreditschützern fortgeführt werden.

Insgesamt sind Firmen- und Privatinsolvenzen in Österreich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen, meldete der Gläubigerschutzverband Creditreform. Bei Firmeninsolvenzen gab es ein Minus von einem Prozent. Ungefähr 7000 Arbeitsplätze und 27.800 Gläubiger waren von Pleiten betroffen. (vk, 11.7.2019)