Carola Rackete wurde am 2. Juli von einer italienischen Richterin wieder freigelassen.

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Rom / Menlo Park / San Francisco – Die deutsche Schiffskapitänin Carola Rackete will mit einer Klage gegen den italienischen Innenminister Matteo Salvini die Justiz zur Schließung der Social-Media-Konten des Politikers auffordern. Salvini nutze Facebook und Twitter, um "Hassbotschaften zu verbreiten", betonte Racketes Rechtsanwalt Alessandro Gamberini am Mittwoch.

Der Anwalt will am Freitag eine Klage gegen Salvini wegen Verleumdung und Anstiftung zu Verbrechen einreichen. In der 14-seitigen Klage werden 22 Beleidigungen gegen die Kapitänin aufgelistet, die Salvini über soziale Netzwerke und in TV-Interviews verbreitet habe. Salvini habe seine Mandantin wiederholt als "Gesetzlose, Komplizin von Schleppern, potenzielle Mörderin, Verbrecherin, Kriminelle und Piratin" bezeichnet. Die gravierende Verleumdung durch den Minister sei offenkundig.

Auch NGO verleumdet

In ihrer Klage betont die Kapitänin, dass sie stets im Interesse der Geretteten an Bord gehandelt habe. Das habe auch die Untersuchungsrichterin festgestellt, die sie vergangene Woche aus dem Hausarrest entlassen hatte. Rackete beklagt, dass nicht nur sie, sondern auch ihre NGO wiederholt von Salvini verleumdet worden sei.

Rackete war am 29. Juni auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, nachdem sie das Rettungsschiff Sea-Watch 3 mit 40 Migranten und Flüchtlingen an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen gesteuert hatte. Am 2. Juli erklärte eine Richterin ihre Festnahme für ungültig und ordnete die Freilassung aus dem Hausarrest an.

In einem getrennten Verfahren wird der 31-jährigen Rackete Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. Darum soll es bei einer weiteren Anhörung am 18. Juli gehen. (APA, 11.7.2019)