Matteo Salvini (re.) liebt es, sich als "Ruspa" (Bagger, Bulldozer) bezeichnen zu lassen.
Foto: AP Photo/Gregorio Borgia

Umfragen mögen nicht immer exakt sein – doch in diesem Maßstab und über diesen langen Zeitraum hinweg gibt es keinen Zweifel: Seit der italienischen Parlamentswahl im März 2018 konnte die rechte Lega ihre Werte von ehemals 17 auf mittlerweile rund 37 Prozent mehr als verdoppeln. Zuzuschreiben ist dieser weithin beispiellose Höhenflug allein einer Person: Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini.

Egal, was Salvini sagt oder tut: "La Ruspa" ("der Bagger") bekommt tosenden Applaus von seinen Anhängern, auch wenn er die Provokation auf die Spitze treibt; wenn er zum Beispiel auf dem Balkon von Diktator Mussolini stehend gegen Muslime, Migranten und "linke Zecken" wettert. Seine Fans jubeln, während seinen gemäßigteren und linken politischen Gegnern der Mund offen stehen bleibt und ihnen die Worte des Widerspruchs und der Empörung im Hals steckenbleiben.

Die EU? Wer soll das schon sein? Die europäischen Budgetverpflichtungen? Werden ignoriert! Die Häfen? Werden geschlossen! Die Seenotretter? Alles Kriminelle und Terroristen!

Noch fehlt es in Italien an Kräften aus der Opposition, die sich diesem rhetorischen Bulldozer in den Weg stellen würden. Nicola Zingaretti hat erst kürzlich das Kommando bei den Sozialdemokraten übernommen, die erst langsam aus der Schockstarre der 2018 so schmerzhaft verlorenen Parlamentswahl herauskommen.

Salvinis andere Konkurrenten sind zu klein – oder dabei, zu schrumpfen, etwa Silvio Berlusconis Forza Italia. Andere, wie Giorgia Melonis rechtsextreme Fratelli d’Italia, sehen eine verheißungsvolle Zukunft als Koalitionspartner und betätigen sich als Salvinis Claqueure.

Und der jetzige Koalitionspartner? Der vom Brachialkomiker Beppe Grillo und heute von Wirtschafts- und Arbeitsminister Luigi di Maio angeführte Movimento 5 Stelle befindet sich im freien Fall – von 32 auf 17 Prozent in knapp eineinhalb Jahren: das umgekehrte Spiegelbild zur Lega.

Matteo Salvinis Selbstvertrauen scheint unerschütterlich zu sein – so unerschütterlich, dass er kürzlich einfach so in Unterhosen in den Garten ging, um seine Blumen zu gießen. Die Paparazzi fotografierten, die Gazetten berichteten, die Fans johlten – und alle anderen waren einmal mehr sprachlos. Fortsetzung garantiert. (Gianluca Wallisch, 11.7.2019)