In der Region Cox Bazar in Bangladesch leben hunderttausende Rohingya auf engstem Raum. Nun droht ein Monsun die Flüchtlingslager zu überschwemmen.

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Yangon – Aufgrund starker Regenfälle wächst nach Angaben der katholischen Hilfsorganisation Caritas die Not in Rohingya-Flüchtlingslagern in Bangladesch. Stürme und Schlammlawinen setzten den mit einfachsten Mitteln aus Bambus und Plastikplanen gebauten Hütten massiv zu, teilte die Caritas am Freitag mit. Als Folge des Regens seien Teile der Lager abgerutscht. Es drohe eine "Katastrophe in der Katastrophe. Ein Kind sei bereits gestorben, Zehntausende Menschen seien in Gefahr, so die Caritas.

Die Behörden in Bangladesch erlaubten es den Flüchtlingen nicht, dauerhafte und beständige Häuser zu errichten, beklagte die Caritas laut Kathpress. So sei ein echter Schutz der Geflohenen vor Wasser und Erdrutschen kaum möglich. Die Caritas versuche, Drainagen zu verlegen, damit die Wassermassen besser abfließen können. "Das Kernproblem ist, dass die Regierung in Bangladesch viel zu viele Menschen auf dem völlig falschen Platz angesiedelt hat", so Peter Seidel von Caritas International.

Hunderttausende nach Bangladesh geflohen

In der Region Cox Bazar leben nach Angaben der Caritas eine Million Menschen auf engstem Raum. Seit August 2017 sind mehr als 730.000 Muslime aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen, wo die große Mehrheit der Bevölkerung buddhistischen Glaubens ist.

Die Armee hat in der Vergangenheit mehrfach tatsächliche, aber auch erfundene Angriffe von Angehörigen der Rohingya als Anlass für großangelegte Militäraktionen gegen Mitglieder der ethnischen Minderheit genommen, die in dem Land seit Jahrzehnten unterdrückt und diskriminiert wird. Die Regierung bezeichnet sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele von ihnen seit Generationen in Myanmar leben.

Die Lage eskalierte im vergangenen Jahr, als das Militär zahlreiche Rohingya-Dörfer niederbrannte. Flüchtlinge berichteten von Plünderungen, Vergewaltigungen und Ermordungen. Allein zwischen August und Dezember 2017 flohen mehr als 700.000 Rohingya vor dem Militär ins Nachbarland Bangladesch, wo schon zuvor 300.000 Rohingya lebten. Die Vereinten Nationen sprechen von Völkermord. (APA, red, 12.7.2019)