Die HMS Duncan wird in den Persischen Golf geschickt.

Foto: Ben Sutton/Ministry of Defence via AP

London – Inmitten wachsender Spannungen mit dem Iran schickt Großbritannien ein Kriegsschiff in den Persischen Golf. Der Zerstörer HMS Duncan soll dort die Fregatte HMS Montrose ablösen, die für bereits länger geplante Wartungsarbeiten außer Dienst genommen werde, teilte die britische Regierung am Freitag mit.

Mit dem Zerstörer lässt sich aber auch leichter eine kontinuierliche Präsenz zur Wahrung des freien Schiffsverkehrs aufrechterhalten als mit einer Fregatte. Nach britischer Darstellung hatte aber auch die HMS Montrose am Donnerstag einen Überfall iranischer Schnellboote auf einen britischen Tanker verhindert.

Iran fordert Freigabe

Der Iran, der den Vorfall dementiert, hatte zuvor die umgehende Freigabe des in Gibraltar beschlagnahmten iranischen Supertankers Grace 1 von Großbritannien gefordert. "Dies ist ein gefährliches Spiel und hat Konsequenzen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Abbas Mussavi, am Freitag laut der Nachrichtenagentur Irna. "Die Freigabe des Tankers ist im Interesse aller Länder."

Zudem warnte Musavi in Richtung London: "Falls die Briten sich von den USA beeinflussen und auf gefährliche Spielchen einlassen wollen, raten wir ihnen, dies lieber nicht zu tun." Dass Syrien das Ziel gewesen sei, dementierte der Außenministeriumssprecher. Der Tanker "Grace 1" ist nach seinen Worten zu groß, um in syrische Häfen einzulaufen. Wohin der Tanker stattdessen fahren sollte, sagte Mousavi nicht.

Am Freitag wurden indes zwei weitere Besatzungsmitglieder festgenommen. Die beiden Offiziere seien wie der am Vortag festgenommene Kapitän und sein erster Offizier indische Staatsbürger, teilte die Polizei in Gibraltar mit. Gegen die vier Beschuldigten laufen demnach "Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Exports von Rohöl an die Banjas-Raffinerie in Syrien".

Der britische Außenminister Jeremy Hunt sagte dem Sender Sky News, Großbritannien wolle weitere Spannungen und eine Eskalation vermeiden. Weder Großbritannien noch seine Verbündeten wollten einen Konflikt. Es gelte, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Offenbar Verstoß gegen EU-Sanktionen

Vor einer Woche hatte die britische Marine den Supertanker vor der britischen Exklave an der Südspitze Spaniens festgesetzt. Er soll beladen mit iranischem Öl nach Syrien unterwegs gewesen sein, was ein Verstoß gegen die EU-Sanktionen gegen das Land wäre. Kapitän und Erster Offizier wurden festgenommen.

Mussavi warf Großbritannien mit Blick auf den Streit über das iranische Atomprogramm vor, die Grace 1 auf Druck der USA aufgebracht zu haben. Dazu erklärte der Chef der Regionalregierung Gibraltars, Fabian Picardo, es habe zu keiner Zeit von irgendeiner Regierung eine Anfrage bezüglich der Grace 1 gegeben. Der Supertanker sei allein aufgrund des Verdachts beschlagnahmt worden, mit dem Transport werde gegen die EU-Sanktionen gegen Syrien verstoßen. (APA, red, 12.7.2019)