"Ich bin so viel ruhiger heute", sagt Serena Williams. "Ich schaue einfach von Tag zu Tag." Am Samstag spielt sie um ihren 24. Grand-Slam-Turniersieg.

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Simona Halep spielt um ihren zweiten großen Titel nach jenem in Paris 2018.

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Margaret Court (76) feierte von 1960 bis 1973 24 Grand-Slam-Turniererfolge. Martina Navratilova kam auf 18.

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In ihrem Kampf gegen das vermeintliche Verfallsdatum für Sportlerkarrieren wähnt sich Serena Williams in bester Gesellschaft. "Roger Federer, Tom Brady, auch Tiger Woods", zählt die US-Tenniskönigin auf. Sie alle würden derzeit ihre Laufbahnen auf höchstem Niveau verlängern, sie alle seien dadurch "eine große Inspiration". Williams gehört ebenfalls in diese Liste der Superstars. 17 Jahre nach ihrem ersten Triumph greift sie am Samstag gegen Simona Halep erneut nach dem Titel in Wimbledon.

Mit 37 Jahren und 291 Tagen ist Williams dabei die älteste Grand-Slam-Finalistin in der Ära des Profitennis. Ihr erster Titelgewinn in London aus dem Jahr 2002 scheint nicht nur ihr selbst inzwischen aus einem anderen Zeitalter zu stammen. "Ich habe gerade erst versucht, mich daran zurückzuerinnern", sagte sie nach ihrem mühelosen 6:1, 6:2-Erfolg im Halbfinale gegen die Tschechin Barbora Strycova am Donnerstag: "Es war gegen Venus, oder?"

Es war in der Tat gegen ihre ältere Schwester Venus, und die damals 20-jährige Serena stand noch ganz am Anfang ihrer Ära der Dominanz. "Ich erinnere mich, wie anders das Gefühl ist, wenn man jünger ist", sagte sie nun. "Ich bin so viel ruhiger heute. Ich schaue einfach von Tag zu Tag und versuche, mein Bestes zu geben." Die mentale Stärke, die Gelassenheit einer 23-maligen Major-Siegerin verschaffen ihr gegenüber vielen der jüngeren Konkurrentinnen einen Vorteil. Dass sie auch nach so langer Zeit noch immer auf höchstem Niveau spielen kann, schreibt Williams aber auch der modernen Sportmedizin und Trainingswissenschaft zu.

Wertvolles Wissen

"Wenn wir diese Technologie schon vor 20 Jahren gehabt hätten, würde vielleicht Michael Jordan noch spielen", scherzte sie nach ihrem erneuten Sturm ins Wimbledon-Finale: "Ich habe das Gefühl, dass ich so viel mehr über meinen Körper weiß. Dinge, die ich anders mache als zu dem Zeitpunkt, als ich neu auf der Tour war. Dinge, die meine Karriere verlängern."

Hinzu kommt, dass sich Williams inzwischen ausschließlich auf die Highlights des Tennisjahres konzentriert und sich dort noch einmal regelmäßig auf ein anderes Level hieven kann. Seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia verzeichnete sie bei gewöhnlichen Turnieren der WTA-Tour fünf Siege und sechs Niederlagen. Bei den vier Majors dagegen steht ihre Bilanz bei 27:4-Siegen. Der Wunsch, als Mutter noch einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen und mit insgesamt 24 Triumphen zur australischen Rekordhalterin Margaret Court aufzuschließen, bleibt Williams' innere Antriebsfeder.

Am Samstag nun bietet sich ihr gegen die Rumänin Halep die nächste Chance. Zweimal – im Vorjahr in Wimbledon gegen die Deutsche Angelique Kerber und bei den US Open gegen die Japanerin Naomi Osaka – ist sie knapp gescheitert. Auch gegen die frühere Weltranglistenerste Halep, die sich aus einem Leistungsloch befreit hat, muss sie sich auf harte Gegenwehr einstellen. Halep steht zum fünften Mal in einem Grand-Slam-Finale, sie spielt um ihren zweiten Titel nach jenem bei den French Open 2018. "Ein tolles Gefühl, einer der schönsten Momente meines Lebens", sagte sie nach ihrem Finaleinzug.

"Simona will garantiert zeigen, dass sie es noch immer kann", vermutet Serena Williams. Ein Wunsch, den sie nachempfinden kann. (sid, red, 12.7.2019)