Die indische Mondrakete blieb leider am Boden. Grund dafür dürfte ein Leck gewesen sein.

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Chandrayaan-2 ist ein Prestigeprojekt der Indian Space Research Organization. Im Bild Kailasavadivoo Sivan, Leiter der ISRO, bei der Vorstellung des Projekts im Jänner 2019. Nun ist die Mission vorerst gescheitert.

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Sriharikota – Am Montag hätte die erste indische Mondlandemission Chandrayaan-2 abheben sollen, doch der Start wurde kurz vor dem Start der Rakete abgebrochen. Die Ursache dafür wurde zunächst ganz allgemein mit "technischen Problemen" an der Trägerrakete begründet. Indische Medien wollen nun die eigentlichen Hintergründe des verpatzen Beginns der aufwändigen Mission herausgefunden haben: Laut Berichten der "Times of India" war ein Leck für den Abbruch des Starts von Indiens erster Mondlandemission verantwortlich.

Die Zeitung zitierte am Dienstag einen Verantwortlichen der Mission mit den Worten, nach dem Betanken mit Helium sei ein Druckabfall festgestellt worden. Das weise auf womöglich sogar mehrere undichte Stellen hin. Die Zeitung "Hindustan Times" wiederum zitierte einen Verantwortlichen der indischen Weltraumbehörde mit den Worten: Wäre die Rakete in den automatischen Startmodus eingetreten, wäre "alles verloren" gewesen. Die undichte Stelle solle nun gefunden werden, um einen Start Ende Juli zu ermöglichen.

Die Mission Chandrayaan-2 war in der Nacht auf Montag weniger als eine Stunde vor dem geplanten Raketenstart abgebrochen worden. Die indische Weltraumbehörde ISRO erklärte, es habe ein "technisches Problem" an der Trägerrakete gegeben, nannte aber keine Details. Es war ein herber Rückschlag für die indischen Weltraumambitionen: Das Schwellenland will als vierte Mondlandenation der Welt nach den USA, Russland und China in die Geschichte eingehen. Der Abbruch erfolgte nur 56 Minuten vor dem geplanten Abheben der Rakete. Ein neuer Termin soll zu einem späteren Zeitpunkt genannt werden.

Spuren von Wasser gesucht

Die Rakete sollte den Orbiter Chandrayaan-2 vom Satish Dhawan Space Centre im Unionsstaat Andhra Pradesh ins All befördern. Der Orbiter hat ein Landemodul an Bord, das auf dem Südpol des Mondes aufsetzen soll. Ein Forschungsfahrzeug soll dann auf der Mondoberfläche unter anderem nach Spuren von Wasser suchen.

Bei einem Erfolg der Mission wäre Indien das vierte Land nach den USA, Russland und China, dem eine Mondlandung gelungen ist. Indien hat nahezu alle Komponenten selbst entwickelt, die Kosten dafür waren mit umgerechnet 124 Millionen Euro im Vergleich zu anderen Mondprogrammen niedrig. Bei Indiens erster Mondmission im Jahr 2008 hatte die Sonde Chandrayaan-1 den Mond lediglich umkreist, war aber nicht gelandet.

Der Start der Mission sollte kurz vor dem 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung durch die US-Astronauten erfolgen. Deren Mission Apollo 11 war am 16. Juli 1969 gestartet. Am frühen Morgen des 21. Juli mitteleuropäischer Zeit betrat dann der US-Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. (red, APA, 16.7.2019)