Romantisch; Wiesberger mit dem Pokal in der schottischen Abendsonne.

Foto: Reuters/Lee Smith

North Berwick – Nach dem entscheidenden Putt fuhr sich Bernd Wiesberger geschafft durch die Haare, bei der Siegerehrung strahlte er dafür übers ganze Gesicht. Mit seinem ersten Erfolg auf der prestigeträchtigen Rolex Series der Golfprofis markierte der Burgenländer bei den Scottish Open am Sonntag sein Karriere-Highlight. Nach einem verletzungsgeplagten 2018er-Jahr läuft es für Wiesberger derzeit prächtig.

Ab Donnerstag will Wiesberger seine Hochform auch beim dritten Major-Event des Jahres ausspielen. Das Ticket für die British Open im Royal Portrush Golf Club in Nordirland hatte sich das ÖGV-Ass schon gesichert. Auch in Portrush wird auf einem Links-Kurs gespielt. "Offensichtlich funktioniert mein Links-Golf. Ich nehme all das Positive aus den vergangenen beiden Wochen in das finale Major in diesem Jahr mit", blickte Wiesberger optimistisch nach vorne. Er erinnerte noch einmal daran, dass er vor acht Tagen für die British Open noch nicht einmal qualifiziert war: "Ich nehme alles als großen Bonus, was nächste Woche kommt."

Nach einem "langen Tag" im Renaissance Club in North Berwick nahe Aberdeen durfte der 33-Jährige befreit durchatmen. "Habe ich Haggis zwischen den Zähnen?", scherzte Wiesberger beim Siegesfoto mit der Silbertrophäe in der Hand. Nach dem Erfolg im dänischen Farsö Ende Mai und Platz zwei bei den Irish Open vor einer Woche konnte er in Schottland weiter nachlegen. Erstmals in seiner Karriere holte der Oberwarter eine Million Euro Preisgeld. Im "Race to Dubai" der European Tour liegt er nun voran.

Die Entscheidung fiel bei je 22 unter Par erst am dritten Extraloch des Stechens im Duell mit Benjamin Hebert. Der Franzose hatte zunächst Möglichkeiten auf den Sieg, zeigte aber Nerven und ließ diese ungenutzt. Wiesberger ergriff die Chance, nachdem es zuvor für ihn nicht ganz nach Wunsch gelaufen war. Mit einer 69er-Runde schrieb er am Schlusstag die höchste im Turnierverlauf an.

Wiesbergers Reaktion nach dem entscheidenden Schlag war eine eher gelöste als euphorische. Die Freude kam erst später. "Es war ein bisschen hart für mich, ich habe den Ball nicht so gut getroffen wie in den ersten drei Tagen", sagte er. "Er (Hebert, Anm.) hätte es schon auf den ersten beiden Löchern entscheiden können. Ich bin sehr dankbar, wie es hier gelaufen ist."

Für den erst Ende November 2018 nach einer Handgelenksoperation ins Geschehen zurückgekehrten Wiesberger läuft es derzeit insgesamt. In der Weltrangliste schaffte er die Rückkehr in die Top 40, wobei er im am Montag veröffentlichten Ranking 43 Plätze gut machte. Ins Jahr gestartet war Wiesberger auf Platz 185. Der Sieg in Dänemark habe sein "Momentum" gesteigert, gab er in North Berwick an. "Wenn man bedenkt, in welchen Situationen ich letztes Jahr war, wo ich keine Kontrolle hatte, was als nächstes passiert – dann schmeckt der Erfolg jetzt noch viel süßer und man schätzt es noch viel mehr." (APA; 15.7.2019)