Krypto-Währungen stehen mal mehr, mal weniger hoch im Kurs.

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Wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges und Veruntreuung ist ein 39-Jähriger am Montag in St. Pölten vor Gericht gestanden. Der Mostviertler soll laut Anklage vorgegeben haben, ihm anvertraute Beträge gewinnbringend in Kryptowährungen zu investieren, sich aber das Geld selbst zugeeignet haben. Er bekannte sich teilweise schuldig. Der Prozess wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt.

Im großen Stil

Der Mann aus dem Bezirk Melk war zu Prozessbeginn nicht anwesend und erschien schließlich mit fast zwei Stunden Verspätung bei Gericht. Er habe gedacht, die Verhandlung finde erst am morgigen Dienstag statt, entschuldigte sich der Angeklagte: "Es war ein Fehler von mir." Er zeigte sich geständig, 9.000 Euro veruntreut zu haben, die ihm ein 29-Jähriger anvertraut hatte. Die beiden Niederösterreicher hatten sich über Facebook kennengelernt, wo der Verdächtige laut dem Zeugen für Kryptowährungen warb. Der Beschuldigte habe erzählt, dass er "im großen Stil Bitcoin tradet", "es hat für mich glaubwürdig geklungen", erzählte der Geschädigte, der mehr als 11.000 Euro an das Bitcoin-Wallet des Angeklagten überwiesen hatte. 9.000 Euro davon soll der 39-Jährige sich selbst zugeeignet, den Rest investiert haben.

Rund 29.000 Euro in bar hatte der Beschuldigte von einer Bekannten erhalten. "Ich habe ihn gebeten, dass er mein Geld dort investiert", sagte die 37-Jährige. 20.000 Euro davon wurden den Angaben zufolge bei Invia – einem Kryptomining-Unternehmen, dem die Finanzmarktaufsicht 2018 das Geschäftsmodell untersagte – veranlagt. Weitere 8.000 Euro sollte er ebenfalls in Kryptowährungen investieren. Das ihm übergebene Geld sei noch in seinem Wallet, sagte der Mostviertler. Er könne es derzeit aber nicht gegen Geld tauschen. Außerdem hatte ihm die Frau 1.000 Euro für den Umzug geborgt, aber nicht zurückbekommen.

"Bitcoin-Millionär"

Der Verdächtige soll laut Aussage der Zeugin bei der Polizei erzählt haben, "Bitcoin-Millionär" zu sein. Das bestritt der 39-Jährige, der zum Prozess ohne Verteidiger erschien. Mit den bisher von ihm in Kryptowährungen investierten rund 50.000 Euro habe er keinen Gewinn gemacht. Etwa 30.000 Euro habe er innerhalb von zwei bis drei Jahren von einem Kryptomining-Unternehmen als Provision für Weiterempfehlungen bekommen. Laut dem Richter wurden innerhalb von sechs Monaten 32.000 Euro auf ein Konto des 39-Jährigen überwiesen.

Beim dritten Opfer handelt es sich der Anklage zufolge um den Onkel des Beschuldigten. Der 58-Jährige hatte im Juni 2017 laut seinen Angaben seinem Neffen 5.000 Euro gegeben, weil er ihm helfen wollte. "Er hat gesagt, er zahlt es mir am Jahresende wieder zurück", sagte der 58-Jährige. Der Angeklagte hatte demnach erzählt, er werde das Geld in Kryptowährung anlegen. "Was er damit gemacht hat, weiß ich bis heute nicht", so der Zeuge. Laut dem Verdächtigen befand sich der Code für den Zugriff auf das Geld auf seinem Handy, und das sei ihm bei einem Familienausflug in einem Tierpark aus der Hosentasche in einen Teich gefallen. In diesem Zusammenhang beantragte die Staatsanwaltschaft die Einvernahme der Frau des Angeklagten als Zeugin.

Die Ermittlungen hatten ihren Anfang genommen, als der Angeklagte am 11. November 2018 auf eine Polizeiinspektion gegangen war und angegeben hatte, dass am Vortag Kryptowährungsbestände von seinem Wallet abgebucht worden seien. Deshalb wurden dem 39-Jährigen auch falsche Zeugenaussage und Vortäuschen einer mit Strafe bedrohten Handlung vorgeworfen. Der Mostviertler bestritt, bei der Polizei falsche Angaben gemacht zu haben. Der Prozess wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen auf 19. September vertagt. (APA, 15.7.2019)