Angst ist die Währung, auf die US-Präsident Donald Trump etwas mehr als ein Jahr vor seiner möglichen Wiederwahl spekuliert. Je mehr sich seine meist weiße, meist männliche Klientel fürchtet vor allem, was fremd, dunkelhäutig oder – Gott behüte – emanzipiert ist, desto reibungsloser schnurrt der Wahlkampfmotor.

US-Präsident Donald Trump hetzt im Wahlkampf immer offener gegen Einwanderer und Frauen.
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Trumps zynische Strategie nimmt keinerlei Rücksicht auf Verluste. Weder haben seine unmenschlichen Familientrennungen samt Käfigen für Kinder die prekäre Lage an der Südgrenze entschärft, noch hat er die Mauer gebaut, für die er die Politik in Washington wochenlang lahmlegen ließ. Das muss er auch gar nicht. Die Potemkin'schen Dörfer, die der Ex-Bautycoon am laufenden Band aus dem Boden stampft, gaukeln seinen Wählern ohnehin das Bild eines Machers vor. Seine Zielgruppe, so Trumps Kalkül, hört schließlich nur die Signale, die sie hören will. Was stört, wird ausgeblendet – notfalls auch die Realität.

Den Präsidenten ficht es darum auch nicht an, dass die meisten der von ihm jüngst als fremd punzierten Demokratinnen in den USA geboren sind. Und ob die großspurig angekündigten Massendeportationen nun stattfinden oder nicht: egal. An der Lösung der Probleme, die illegale Einwanderung mit sich bringt, ist Trump ohnehin nicht interessiert – im Gegenteil. Je mehr Eskalation, je mehr Angst, desto besser. Die Amerikaner werden sich noch wundern, was im Wahlkampf 2020 alles geht. Und wir uns mit ihnen. (Florian Niederndorfer, 15.7.2019)