Man kann verstehen, dass dem Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Herz aufgeht, wenn er an Wien denkt. Nicht nur der Kaiserschmarren schmeckt besser, die österreichische Hauptstadt bietet zudem, was jeder Regierungschef gern offerieren würde: erschwinglichen Wohnraum und günstigen Nahverkehr.

Da wäre ein bisschen mehr Wien in Berlin doch schön. Dass die Kopie am Wohnungsmarkt nicht funktioniert, mussten jedoch schon mehr Sozialdemokraten erfahren. Während der Gemeindebau in Wien seit Jahrzehnten gehegt und gepflegt wird, müssen die Berliner erst mühsam Wohnungen wieder zurückkaufen, die sie um die Jahrtausendwende en masse verscherbelt haben.

Proteste gegen steigende Mieten und den Verkauf von Häusern an Investoren sind in Berlin fast an der Tagesordnung.
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Auch das 365-Euro-Ticket für die Öffis lässt sich auf Berlin nicht so einfach umlegen. Anders als Wien hat das klamme Berlin in den vergangenen Jahren nicht so viel in den öffentlichen Nahverkehr investiert. Es fehlt an neuen Bussen und U-Bahnen; außerhalb des S-Bahn-Ringes, wo auch noch sehr viele Leute wohnen, ist die Taktung dürr.

Kurzum: Nicht nur das finanzielle Angebot sollte besser werden, um mehr Menschen in Busse und Bahnen zu locken. Ein fetter Rabatt, den das Land kompensieren müsste, reicht nicht, wenn der Bus nicht fährt. Die Berliner SPD braucht eigene Ideen, sonst wird sie auch bei den Wahlergebnissen immer nur neidisch nach Wien schauen. Dort erhielten die Roten zuletzt 40 Prozent, in Berlin nur 22. (Birgit Baumann, 15.7.2019)