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Der österreichische Chipkonzern ams winkt bei Osram ab: ams bestätigte in der Nacht auf Dienstag zwar, Gespräche mit dem Münchner Lichtkonzern über eine mögliche Transaktion geführt zu haben. "Nach Evaluierung der jüngsten Entwicklungen sieht ams jedoch keine ausreichende Basis dafür, die Gespräche mit Osram Licht AG fortzuführen", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Osram hatte am Montagabend mitgeteilt, dass überraschend ein zweiter Kaufinteressent aufgetaucht sei. ams erwäge ein höheres Angebot als das der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle.

ams habe eine "unverbindliche Interessensbekundung" vorgelegt, erklärte Osram. Die Anleger reagierten erfreut, nicht jedoch die Osram-Chefetage: Die "Transaktionswahrscheinlichkeit" sei "sehr gering", hieß es. Im nachbörslichen Handel legte die Osram-Aktie dennoch kräftig auf über 35 Euro zu.

Favorisierung

Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat befürworteten vielmehr das verbindliche US-Angebot von 35 Euro je Aktie, das ams mit 38,50 Euro übertrumpft hätte. Allerdings sollte dafür ein "temporäres Bankdarlehen" in der Höhe von 4,2 Milliarden Euro aufgenommen werden. Osram-Vorstandschef Olaf Berlien und Kollegen machten keinen Hehl aus ihrer Skepsis: In der Mitteilung war von "erheblichen Zweifeln an der Finanzierbarkeit" die Rede.

ams ist in der Schweiz börsennotiert und derzeit etwa 3,1 Milliarden Euro wert, der Umsatz lag 2018 bei 1,4 Milliarden Euro – nicht einmal die Hälfte des Osram-Umsatzes im vergangenen Geschäftsjahr. Über ein Interesse des in der Steiermark ansässigen Halbleiterherstellers war in den vergangenen Wochen bereits spekuliert worden.

ams prüfe laufend potenzielle Gelegenheiten zur Weiterentwicklung des Unternehmens, teilte der Sensorhersteller in der Nacht mit. Diese müssten aber strategisch überzeugend und nachweislich wertsteigernd sein, damit ams erwägen würde, eine Transaktion zu verfolgen.

Probleme

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in sehr schwieriges Fahrwasser geraten ist. In diesem Jahr könnte der Umsatz um 11 bis 14 Prozent zurückgehen. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik, die wichtigsten Kunden sind Autohersteller und Smartphone-Hersteller. Da in beiden Branchen die Geschäfte schlecht laufen, ist der Beleuchtungshersteller hart getroffen. Hinzu kommt, dass Osram unmittelbar vor Beginn des Abschwungs noch viel Geld in die Erhöhung der Produktionskapazitäten investiert hatte.

Die US-Finanzhäuser planen, Osram von der Börse zu nehmen. Die Aktionäre sollen bis Anfang September Zeit haben, um das Angebot anzunehmen oder abzulehnen. (APA, 16.7.2019)