Der geborene (Stadt-)Salzburger liest gern über seinesgleichen. Dabei erkennt er immer wieder, dass seine Geburtsstadt der Nabel der Welt ist. Mag man schon im angrenzenden Oberbayern im Salzburger nur den gemeinen Österreicher sehen – der Salzburger selbst sieht das etwas differenzierter. Schließlich wurde er sehr spät, erst nach dem Wiener Kongress im Jahr 1816 (endgültig) zum Österreicher. Sieht man von den äußersten Enden Österreichs (Vorarlberg und dem Burgenland) einmal ab, ist Salzburg jenes Bundesland, das sich am längsten dagegen wehrte, österreichisch zu werden. Das sieht man dem Salzburger auch heute noch an.

Beitrag über den Felssturz.
Shreenshot: orf.at

Der Salzburger kam erst 1816 unter österreichische Herrschaft

Wer sich mit dem Salzburger etwas genauer befasst, erkennt sofort: der Stadt-Salzburger – auch "Stadtinger" genannt – ragt unter seinesgleichen noch einmal gutes Stück hervor. Jahrhundertelang rackerten sich seine Landsleute in den Salzminen und Goldbergwerken ab. Der Stadtinger in Person des Fürsterzbischofs kassierte fürstliche Abgaben, die ihm den Bau zahlreicher Prachtbauten in der Stadt ermöglichten. Auch heute noch fühlt sich der Stadtinger als der Nabel der Welt. Besonders im Sommer, wenn sich die internationale Hautevolee aus Wirtschaft und Kultur bei den Salzburger Festspielen trifft.

Salzburg – der Nabel der Welt

Angesichts einer so prachtvollen Geschichte und einer ebensolchen Gegenwart verwundert es nicht, dass es der Stadtinger mit seinem Selbstbewusstsein manchmal etwas übertreibt. So berichtet der ORF Salzburg zum Jahrestag des großen Felssturzes, der im Jahr 1669 in der Stadt Salzburg etliche Häuser zerstörte: "220 Menschen wurden bei einem gewaltigen Felssturz vom Mönchsberg getötet, der damals ganz Europa erschüttete [sic!]". Der Historiker des Stadtarchivs erzählt, dass die Aufräumarbeiten zehn Jahre lang andauerte.

Vielleicht wird der ORF Salzburg demnächst noch genauer über die von Salzburg ausgehenden neuzeitlichen Erschütterungen auf ganz Europa berichten? Das könnte sehr interessant sein. Vor allem aber wird sich der Salzburger schon vor Beginn der Festpiele seiner Lieblingsbeschäftigung hingeben können – der eigenen Nabelschau. (Markus A. Gaßner, 17.7.2019)

Link

Weitere Beiträge des Bloggers