Bitten, Warnungen, Forderungen: Die gab es seit Monaten. Immer wieder hatten verschiedene Staaten – Griechenland, Zypern und schließlich die EU – an Ankara appelliert, die Bohrungen in den zypriotischen Hoheitsgewässern einzustellen. Sie verhallten ungehört.

Über Ankaras beziehungsweise Tayyip Erdogans Motive kann man nur spekulieren: Soll eine Wagenburgmentalität von internen Problemen ablenken? Oder hat im Präsidentenpalast tatsächlich eine Hybris um sich gegriffen, in der man sich von allen Nachbarn bedroht und sich gleichzeitig überlegen fühlt? Schließlich setzt man in Ankara mit dem Kauf des russischen Raketenabwehrsystems gerade auch das Militärbündnis mit den USA aufs Spiel.

Das türkische Bohrschiff "Fatih" nahe Zypern.
Foto: AP/Turkish Defence Ministry

Ja, das Zypern-Problem ist tragisch – und darunter leiden vor allem die Menschen im Norden der geteilten Insel. 2004 war es der griechische Teil der Insel gewesen, der gegen eine Wiedervereinigung und damit gegen einen EU-Beitritt des Nordteils gestimmt hatte. Ankara versteht sich als Schutzmacht der türkischen Bewohner der Insel.

Doch diese Ereignisse rechtfertigen nicht das aggressive Vorgehen Ankaras im Mittelmeer. Denn das Argument, wonach sich die Gasvorkommen auf einem erweiterten Festlandsockel befinden, ist absurd. Der türkische Versuch, mit Bohrschiffen vollendete Fakten zu schaffen, trägt lediglich zur Eskalation bei. Die EU-Sanktionen gegen die Türkei sind deswegen ebenso richtig wie verhältnismäßig. (Philipp Mattheis, 16.7.2019)