Sprachassistenten werden als nützliche Helfer im Alltag beworben – die Arbeiterkammer stellt nun infrage, wer tatsächlich Nutzen aus den smarten Lautsprechern – hier ein Amazon Echo Dot – zieht.

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Sprachassistenten sind lange kein Nischenprodukt für Technologiebegeisterte mehr. Smartlautsprecher haben Apples Siri, Amazons Alexa und Microsofts Cortana in unzählige Wohnzimmer gebracht. Dort können sie Musik abspielen, das Licht per Sprachbefehl ausschalten und Rezepte vorlesen. Was sich praktisch anhört, kann jedoch auch gefährlich sein, denn die Sprachassistenten lauschen bei den intimsten Momenten ihrer Nutzer mit, warnen Vertreter der Arbeiterkammer (AK) bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Die Geräte sind mit Mikrofonen ausgestattet und warten regelrecht auf ein Schlüsselwort, das sie in Gang setzt. Um Befehle ausführen oder Antworten auf Fragen bieten zu können, müssen die Konversationen mit den Assistenten aufgezeichnet werden. Anbieter verarbeiten sie extern, um die Qualität der Gespräche zu verbessern – so zumindest das Argument der Hersteller, um die Datenspeicherung zu rechtfertigen.

Fehlende Transparenz

Anders sehen es die AK und das Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) in einer Studie. So würden sehr genau Profile jedes Haushalts und seiner Mitglieder erstellt werden. Während bei blinden bzw. motorisch eingeschränkten Personen die Vorteile wohl meist überwiegen, sollten sich andere Konsumenten über die Hintergründe informieren und abwägen. Die Menge an Daten, die gespeichert werden, und die fehlende Transparenz seien ein großes Risiko. Man gebe seine Privatsphäre freiwillig auf, ohne viel Nutzen daraus zu ziehen, warnt die AK. Die Studie kritisiert, dass man Nutzern keine Wahl lasse: Wer seine Daten verweigert, kann den Dienst nicht nutzen. Eine Begründung dafür gibt es nicht.

Die Studie der ITA sieht das Geschäftsmodell der Unternehmen hinter Sprachassistenten als bedenklich. Mithilfe der aufgezeichneten Daten könnten detaillierte Personenprofile erstellt werden.

Auch wenn Datensammlung im Internet nichts Neues ist, die Informationen, die aus Konversationen mit Sprachassistenten hervorgehen, öffnen neue Türen. Neben Ort, Zeit und Alter soll es auch möglich sein, die Gefühlslage, Gesundheit und Gewohnheiten der Nutzer zu erheben. So könne die Tagesverfassung mit dem Nutzungs- und Kaufverhalten verknüpft werden.

Smarte Gatekeeper

Eine weitere Problematik sei, wie Smart Speaker auswählen, welche Antwort sie auf eine Frage geben. Wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt, werden Assistenzsysteme bald an unterschiedlichsten Orten zur Verfügung stehen. Smart Speaker zu Hause, in Autos und im Smartphone also. Durch die Omnipräsenz des sprachgesteuerten Dienstes könnten sie zum "Gatekeeper" des digitalen Informationsstroms werden und kontrollieren, welche Informationen aus welchen Quellen ihre Nutzer erreichen.

Da Sprachassistenten wie Alexa auch Bestellungen tätigen können, hat das Auswahlverfahren der Software auch wirtschaftliche Bedeutung. So könnten Hersteller von Sprachassistenten plötzlich ihre eigenen Produkte oder jene von Partnern favorisieren. Umstritten sei zudem, dass die Entwicklung solcher Systeme eine hohe Menge an Nutzerdaten benötigt. Sprachassistenten, die bereits viele Nutzer haben, sind im Vergleich zu kleinen Start-ups im Vorteil. Somit handelt es sich um einen Markt, der nie vielfältig sein wird, warnen die Studienautoren. (Tiana Hsu, 16.07.2019)