Mit der Aldi-Gruppe hat sich Wirecard einen großen Fisch geangelt im bargeldlosen Zahlungsverkehr.

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Frankfurt – Der Zahlungsdienstleister Wirecard arbeitet künftig mit dem deutschen Diskonter Aldi bei bargeldloser Zahlung zusammen. Im Rahmen der Partnerschaft werde Wirecard die Abwicklung sämtlicher Zahlungen mit Kreditkarten und internationalen Debitkarten in allen Aldi-Nord- und Aldi-Süd-Filialen in Deutschland übernehmen, teilte der Dax-Konzern aus Aschheim bei München am Freitag mit.

"Wir möchten unseren Kundinnen und Kunden stets den einfachsten und schnellsten Service anbieten, auch im Rahmen des Bezahlvorgangs", sagt Sebastian Jockel, stellvertretender Leiter Finanzmanagement bei Aldi Nord. Mit Wirecard habe man einen zuverlässigen Partner gefunden, um unseren Kunden einen reibungslosen Zahlungsvorgang zu ermöglichen", bekräftigte der Finanzdirektor von Aldi Süd, Guido Niechcial.

Hofer noch nicht dabei

Der österreichische Aldi-Ableger Hofer ist beim Start noch nicht Teil der Kooperation, sagte Wirecard-Sprecherin Iris Stoeckl auf Anfrage des STANDARD. Vorerst sei die Zusammenarbeit auf Deutschland beschränkt, aber nach und nach würden weitere Länder, in denen Aldi präsent ist, an diese digitale Zahlungsverkehrskooperation angeschlossen.

Dazu gehören Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande, Polen, Portugal und Spanien (Aldi-Nord) sowie Österreich, die Schweiz, USA, Großbritannien, Irland, Australien, Slowenien, Ungarn, China und Italien (Aldi-Süd) mit weltweit rund 116.000 Beschäftigten in der Aldi-Gruppe. Die Möglichkeit einer darüber hinaus gehenden Kooperation werde derzeit geprüft.

Keine Bankomatkarten

Wirecard wird künftig dafür sorgen, dass der Rechnungsbetrag vom Kundenkonto bei Aldi landet. Ausgenommen sind nur Transaktionen mit den verbreiteten Girokarten, also Bankomatkarten. Nach Branchendaten bezahlen Kunden bei Aldi mehr als 1,7 Milliarden Euro im Jahr mit Visa- oder Mastercard-Kreditkarten oder Konto-Karten, wie sie etwa die Direktbank ING ausgibt. Aldi hat die Kartenzahlung erst vor einigen Jahren eingeführt.

Die Kooperation mit dem Einzelhandels-Riesen gilt als Prestigeerfolg für Wirecard, er trieb die im Leitindex Dax der Frankfurter Börse gelistete Wirecard-Aktie am Freitag um vier Prozent auf 145 Euro nach oben. Bisher hat Wirecard hauptsächlich Transaktionen im Internet abgewickelt, dabei kommen nur wenige Kunden auf ein Milliarden-Transaktionsvolumen. Bisher war die Abwicklung der Zahlungen bei Aldi-Nord Sache der First-Data-Tochter Telecash, bei Aldi-Süd liefen die Zahlungen über den Zahlungsterminal-Anbieter Ingenico. Lediglich Geschenkkarten oder Ladebons wurden bisher von Wirecard abgerechnet. (ung, Reuters, 19.7.2019)