Bei Foxconn lässt Apple viele seiner iPhones fertigen.

Foto: Kin Cheung / AP

Leaks sind mittlerweile fixer Bestandteil des Veröffentlichungszyklus von neuen Smartphones. Die meisten Hersteller haben den Versuch der Geheimhaltung längst aufgegeben und versuchen lieber gleich, durch gezieltes Streuen von Informationen die Berichterstattung wenigstens unter Kontrolle zu halten. Und Einzelne machen das gleich ganz offen: So hat etwa Google vor einigen Wochen für Verblüffung gesorgt, als man auf erste Leaks zum Pixel 4 kurzerhand mit der Veröffentlichung eines offiziellen Produktfotos reagiert hat.

Eine Prise Realität

Neben der zum Teil durchaus erwünschten Publicity im Vorfeld hat all das aber noch einen anderen Grund: Eine strikte Geheimhaltung ist kaum durchzusetzen, dazu sind an Entwicklung und Produktion eines Smartphones einfach viel zu viele Personen beteiligt. Und das muss selbst Apple, und damit ein Unternehmen, das wie kein anderes auf Geheimhaltung setzt, zur Kenntnis nehmen. In einem aktuellen Bericht führt "The Information" nun aus, wie weit Fabrikarbeiter gehen, um neue Geräte oder zumindest einzelne Bestandteile mitzunehmen – und mit welchen Methoden Apple versucht, das zu verhindern.

Ausgangspunkt der Geschichte ist der Leak des iPhone 5C: Von diesem waren im Vorfeld des Launches bereits Bilder durchgesickert, die Überraschung mit dem für Apple eher ungewohnten, farbenfrohen Gehäuse war dahin. Als Konsequenz auf diesen Vorfall hat Apple eine eigene Sicherheitsabteilung für jene Fabriken, in denen iPhones produziert werden, zusammengestellt: das New Product Security Team (NPS). Dessen Aufgabe ist, gleichermaßen die Kontrollen zu verschärfen wie auch bereits erfolgten Leaks nachzuspüren.

Zusammenarbeit

Der iPhone-5C-Leak wurde denn auch in weiterer Folge aufgeklärt: Ein Mitarbeiter des Apple-Zulieferers Jabil hatte es geschafft, die bunten Gehäuse durch alle Kontrollen zu schleusen und zugehörige Dokumente zu fälschen – und zwar mithilfe eines Sicherheitsbeamten. Doch NPS deckte noch wesentlich spektakulärere Vorfälle auf: So haben Fabrikarbeiter in einem Fall probiert, einen Tunnel nach außen zu graben, um dann iPhones aus dem Gebäude zu schaffen.

Oft stehen dahinter finanzielle Motive: So haben etwa die beiden Arbeiter, die für den Leak des iPhone 5c verantwortlich waren, später auch 180 Hüllen des iPhone 6 entwendet und vorab auf dem Schwarzmarkt angeboten. Das Sicherheitsteam von Apple entdeckte dies und kaufte kurzerhand die gesamte Charge auf, bevor man schlussendlich die beiden zur Verantwortung zog. In einem anderen Fall hat ein Unternehmen Lehrgänge für iPhone-Reparaturen angeboten, pikanterweise mit Glaskomponenten für eine neue iPhone-Generation, die damals noch gar nicht offiziell erhältlich war. Ein Mitarbeiter des NPS meldete sich einfach in dem Lehrgang an und konnte so den Leak zurückverfolgen.

Dass die Sicherheitsabteilung von Apple hier eher wie ein Geheimdienst agiert, ist kein Zufall. Es sei in Ländern wie China praktisch unmöglich, mit legalen Mitteln gegen Leaker vorzugehen. Zudem würden rechtliche Schritte auch die Aufmerksamkeit von Medien auf sich ziehen – also genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich will. (red, 19.7.2019)