Boris Johnson im Videoporträt
DER STANDARD

Alexander Boris de Pfeffel Johnson ist mit 55 Jahren endlich dort, wo er immer hinwollte. Wenn ihn die scheidende Premierministerin Theresa May morgen der Queen als ihren Nachfolger vorschlägt, wird er versuchen, in die riesigen Fußstapfen seines Idols Winston Churchill zu treten. Doch sein Team wird vor allem in der Brexit-Frage viele knifflige Situationen lösen müssen. Im Videoporträt zeigen wir den Werdegang des geborenen New Yorkers. Die US-Staatsbürgerschaft gab er übrigens bereits 2016 ab.

Dass er überhaupt bis an die Spitze der Regierungsgeschäfte aufsteigen und in die berühmte Downing Street Nr. 10 einziehen konnte, verdankt er seinem Humor und Charme – Eigenschaften, die ihn schon einige Fehltritte überwinden ließen. Während andere Karrieren durch solche politisch ruiniert worden wären, konnte im Gegenteil Johnson sogar öffentlich zugeben, dass er in seiner Studienzeit in Oxford Kokain angeboten bekommen und zumindest auch versucht hatte, es zu konsumieren, aber "ich musste niesen und es ging nicht in die Nase". Auch dass er einem Freund Nummer und Adresse eines Arbeitskollegen gegen hatte, obwohl Johnson zu dem Zeitpunkt wusste, dass dieser Freund einen tätlichen Angriff auf den Kollegen plante, tat Johnsons Karriere keinen Abbruch. Der Freund habe den Plan ja nie in die Tat umgesetzt.

Doppelrolle

Angesprochen auf seinen bisher meist zweigleisigen, im Spannungsfeld von Journalismus und Politik verlaufenden Karriereweg, verbunden mit der Frage, ob er sich im Zweifelsfall für die Politik entscheiden würde, sagte Johnson kürzlich: "Ja, ich würde die Politik wählen, aber ich glaube nicht, dass ich den Journalismus komplett aufgeben würde. Ich finde, ich bin sehr lange sehr erfolgreich zweigleisig gefahren, auch wenn es immer wieder Konflikte gegeben hat."

Boris Johnson, feinfühlig wie immer.

Um viele seiner Aussagen gab es immer wieder zahlreiche Kontroversen: In seiner Kolumne für den "Daily Telegraph", für die er jährlich angeblich mehr als 300.000 Euro verdient, beschrieb er Burka-tragende Frauen einst als "Briefkästen". Der EU warf er einmal vor, ähnlich wie Napoleon oder Hitler das Goldene Zeitalter des Römischen Reiches nachbilden zu wollen. Und Hillary Clintons Aussehen verglich er 2007 mit dem einer "sadistischen Krankenschwester in einer Klinik für psychische Krankheiten". (Isabella Scholda, Fabian Sommavilla, 23.7.2019)