43 Prozent der Jobsuchenden in Österreich haben schon einmal ein Angebot angenommen, obwohl sie nicht vollständig von der Stelle überzeugt waren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half.

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In Zeiten des Fachkräftemangels versuchen Firmen vieles, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Da kommt es nicht selten vor, dass Angestellte von anderen Unternehmen mit verlockenden Jobangeboten abgeworben werden.

Doch nicht alle Wechselwilligen haben dabei ein gutes Gefühl, legt eine aktuelle Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half nahe. Dafür wurden vom Marktforschungsinstitut YouGov 251 Arbeitnehmer in Österreich befragt. Das Ergebnis: 43 Prozent der Jobsuchenden in Österreich haben schon einmal ein Angebot angenommen, obwohl sie nicht vollständig von der Stelle überzeugt waren.

Das sei ein Fehler, sagt Christian Umbs, Mitarbeiter bei Robert Half. Denn mehr als zwei Drittel der Befragten geben an, mit ihrer neuen Stelle unglücklich zu sein. Und immerhin fast jeder Dritte hält trotzdem an dem Job fest. Insgesamt gibt ein Viertel der Befragten an, unzufrieden mit der Arbeit zu sein. "Viele schrecken davor zurück, den Job häufig zu wechseln und sich damit einen negativen Ruf und letztlich bei zukünftigen Jobverhandlungen eine schlechtere Position einzuhandeln", erklärt Umbs das Verhalten der Arbeitnehmer.

Innere Alarmglocken beachten

Die befragten Arbeitnehmer nennen in der Umfrage aber noch weitere Gründe, den Job nicht zu wechseln oder sich aktiv darum zu kümmern: Fast die Hälfte (48 Prozent) nennt Vorzüge des aktuellen Arbeitgebers, wie flexible Arbeitsmodelle oder ein gutes Gehalt. Knapp ein Drittel geht davon aus, dass sich die Situation bei einem neuen Arbeitgeber nicht verbessern werde, und etwa gleich viele wollen sich nicht von ihren Kollegen trennen.

Diese Unzufriedenheit führe dazu, dass die "Arbeit zur Belastung und zu einem permanenten Stressfaktor" werde, sagt Umbs. "Zudem besteht die Gefahr, dass der Frust auf andere Mitarbeiter übergreift und sich negativ auf die Teammotivation auswirkt." Auch Burnout oder Boreout können Folgen sein.

Daher dürfe man die inneren Alarmglocken nicht ignorieren und im Zweifel den Job ablehnen, rät Umbs. Das sollte man dem Unternehmen auch fair und offen kommunizieren. Das liege auch im eigenen Interesse: "Kandidaten, die ihre Absage übermitteln und begründen, halten sich eine Tür für zukünftige Bewerbungen offen."

Nicht spontan kündigen

Wer den Job angenommen hat, nun aber unzufrieden ist, kann eine Kündigung in Erwägung ziehen. Eine solche Entscheidung sollte aber nicht spontan fallen, rät Christian Umbs. Vielmehr sollte man sich im Vorfeld folgende Fragen stellen:

  1. Was versprechen Sie sich von einem Jobwechsel?
    Mit dem neuen Job wird alles besser? Nicht unbedingt. Daher sollte man sich im Klaren sein, welche Verbesserungen man sich von einem Jobwechsel erwartet. Und sich fragen: Welche Dinge stören Sie an Ihrem aktuellen Job? Vielleicht lässt sich das ja bereits beim bestehenden Arbeitsverhältnis klären? Passt die Unternehmenskultur des künftigen Arbeitgebers?'

  2. Haben Sie sich Ihre persönlichen Ziele gesetzt?
    Wer weiß, wo er künftig hinwill, tut sich auch beim Jobwechsel einfacher. Daher sollte man sich fragen: Wie soll sich die Karriere langfristig nach der Kündigung entwickeln? Will man die gleiche Tätigkeit bei einem neuen Arbeitgeber ausüben oder inhaltlich neue Herausforderungen übernehmen? Diese Fragen helfen auch bei der Recherche nach möglichen Jobs und bei Weiterbildungen.

  3. Haben Sie den Kopf frei, um diese Entscheidung zu treffen?
    Häufig fällt die Entscheidung, zu kündigen, aus einer Emotion heraus – überstürzt und unüberlegt. Auch wenn man der unangenehmen Situation im Büro möglichst schnell entfliehen möchte: Eine Kündigung sollte nicht übereilt eingereicht werden. Daher sei es wichtig, sich genug Zeit dafür zu nehmen, heißt es vonseiten des Personaldienstleisters. So klappe es auch, dass die Kündigung auch tatsächlich der nächste Schritt zur Verwirklichung der beruflichen Ziele ist.

  4. Sind Sie bereit für Veränderungen?
    Ein Jobwechsel bedeutet, alte Gewohnheiten aufzugeben und sich in einem neuen Umfeld einzuarbeiten. Entscheidend ist daher die Frage: Sind Sie wirklich bereit, Ihr Arbeitsumfeld zu verlassen und auf die Vorzüge des aktuellen Arbeitgebers zu verzichten?

  5. Passt eine Kündigung in die aktuelle Lebensplanung?
    Nicht nur das Jobumfeld ändert sich, auch verschiedene Lebensbereiche können von einer Kündigung betroffen sein. Der Personaldienstleister rät daher, sich vorher klarzumachen, ob die privaten Pläne mit einem Jobwechsel weiterhin umsetzbar wären– oder ob man derzeit überhaupt ausreichend Zeit hat für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche. (red, 24.7.2019)