Donald Trump 2017 mit Boris Johnson.

Foto: Reuters / Kevin Lamarque

Washington – US-Präsident Donald Trump hat dem designierten britischen Premierminister Boris Johnson freudig zu seiner Wahl gratuliert. Nachdem er dem EU-feindlichen Konservativen zuvor schon via Twitter Glückwünsche übermittelt hatte – "he will be great!" –, lobte er ihn später auch noch in einer Rede vor Anhängern.

Freilich wäre es nicht Trump, würde er nicht Parallelen zu seinen eigenen Gunsten zwischen dem zu derben Sprüchen neigenden rechtspopulistischen und extravaganten Politiker mit der auffällig blondierten Frisur und sich selbst erkennen: "Sie bezeichnen ihn als britischen Trump", so der US-Präsident in einer Rede vor Mitgliedern einer konservativen Jugendorganisation, wobei er die Worte als "Britain Trump" aussprach, was eine Übersetzung schwierig macht. "Und die Leute dort sagen, dass das gut ist. Sie mögen mich dort. Das ist es, was sie wollten. Und das ist es, was sie brauchen", so der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte.

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Seiner Einschätzung steht nach einem Bericht der US-Onlinepublikation "The Hill" eine Umfrage des Instituts YouGov entgegen, wonach nur 21 Prozent der Briten eine positive Meinung über Trump hätten. Nur 26 Prozent sehen zudem laut dem Instituts Gallup die Rolle der USA in der Welt derzeit positiv.

"United Kingston"

Zuvor hatte schon Trumps Tochter und Beraterin Ivanka Trump für Erstaunen gesorgt. Sie wollte ihre Glückwünsche an Johnson wohl allzu schnell loswerden – und hat sich vertippt: Via Twitter gratulierte sie dem künftigen Premier des "United Kingston".

Ein Screenshot des mittlerweile gelöschten Tweets.

Der Fehler wurde schnell behoben – allerdings erst, nachdem tausende Internetnutzer ihn bereits entdeckt hatten. Vermutlicher Verursacher des Fehlers ist eine Handy-Rechtschreibkorrektur: Kingston ist unter anderem der Name der jamaikanischen Hauptstadt und der eines Speicherkartenherstellers.

Johnsons Trump-Kritik

Internet-User und der britische TV-Sender Channel 4 haben derweil im Archiv ein Video wiederentdeckt, das bereits bei Donald Trumps London-Besuch im Vorjahr die Runde gemacht hatte. Es zeigt Boris Johnson im Jahr 2015, als er noch Bürgermeister von London war und die Stadt gegen Aussagen Trumps verteidigte, es gebe dort "no go zones" wegen "islamistischer Terroristen".

Johnson sagt in dem Video, die Aussage zeige "eine verblüffende Ignoranz, die ihn unfähig macht, das Amt des US-Präsidenten auszuüben. [...] Ich würde ihn gerne einladen, und durch die Stadt führen, aber ich will die Londoner nicht unnötig dem Risiko aussetzen, auf Donald Trump zu treffen". (mesc, APA, 26.7.2019)