Uli Hoeneß lässt es gut sein.

Foto: AP / Alexander Hassenstein

David Alaba kann es nicht glauben.

Foto: REUTERS/Michael Dalder

München – Lange hatte Uli Hoeneß die Entscheidung über seine Zukunft offen gelassen, jetzt ist sie wohl gefallen. Der Patriarch will etwas mehr als 40 Jahre nach seinem ersten Arbeitstag als Manager von Bayern München beim deutschen Fußball-Rekordmeister aufhören, das berichtet die Bild-Zeitung. Demnach wird der Klubpräsident im November nicht mehr zur Wiederwahl antreten, auch seinen Posten als Aufsichtsratschef will Hoeneß angeblich aufgeben.

"Ich habe mal gesagt: Das war's noch nicht!", sagte Hoeneß vor nicht allzu langer Zeit dem Klubmagazin "51", doch "der Tag ist nicht mehr fern, an dem ich sage: Das war's!" Nun ist es offenbar soweit, im Herbst wird sich der 67-Jährige beim Verein zurückziehen, der ohne ihn ein ganz anderer wäre.

Stellvertreter als Nachfolger

Die Bayern wollten die Personalie auf sid-Nachfrage nicht bestätigen. Hoeneß hatte zuletzt aber bereits angedeutet, dass der Zeitpunkt für ein neues Kapitel "bald passen wird". Einen Nachfolger hat er angeblich auch schon im Sinn. Laut Bild will Hoeneß Herbert Hainer (65), Stellvertreter im Aufsichtsrat und ehemaliger adidas-Boss, als neuen Präsidenten und Aufsichtsratschef vorschlagen.

Für David Alaba ist ein FC Bayern ohne Hoeneß nur "schwierig" vorstellbar. Laut Sport Bild meinte der Linksverteidiger: "Im ersten Moment war das ein Schock, ich war auf so etwas nicht vorbereitet."

"Für mich persönlich ist es überraschend", sagte der deutsche Teamspieler Joshua Kimmich nach dem 1:0 (1:0) im letzten Test auf der US-Reise gegen den AC Mailand. "Ich kenne den FC Bayern eigentlich nur mit Uli Hoeneß. Ich weiß nicht, ob es ein Fakt ist oder nur ein Gerücht. Ich kann es mir gar nicht vorstellen."

Hoeneß hat die Bayern zu einer Weltmarke aufgebaut. "Die Erfolgsgeschichte, die er als Manager und anschließender Präsident geschrieben hat, ist außergewöhnlich und einzigartig im Weltfußball. Diese Leistung wird niemand toppen", sagte einmal sein Freund Jupp Heynckes, lange erfolgreich auf der Trainerbank der Bayern.

Umsatzwachstum

Als der ehemalige Bayern-Profi Hoeneß am 1. Mai 1979 sein Amt antrat, war dieses Märchen nicht abzusehen. Der damalige Präsident Willi O. Hoffmann wollte lieber Rudi Assauer aus Bremen holen, doch Hoeneß ließ die Zweifler schnell verstummen. Über die 40 Jahre seines Wirkens, unterbrochen durch die Haftzeit wegen Steuerhinterziehung (2014 bis 2016), wuchs das Unternehmen FC Bayern von 20 auf über 1000 Mitarbeiter.

Aus zwölf Millionen Mark Umsatz wurden 657,4 Millionen Euro, die Zahl der Mitglieder stieg von 6616 auf über 290.000, die Allianz Arena und der Klub-Campus entstanden, die Basketballer führte Hoeneß vom Nischendasein an die nationale Spitze.

Als Manager wurde Hoeneß einst als "Raubritter" und "Pferdehändler" beschimpft, er lieferte sich legendäre Kämpfe mit Christoph Daum oder Willi Lemke. "Ich wollte den FC Bayern nach oben bringen, um jeden Preis", sagte er, bis auf "meine Steuergeschichte" habe er dabei "nicht so viele gravierende Fehler gemacht". Der größte, das gab Hoeneß wiederholt zu, sei die Entlassung von Heynckes 1991 gewesen, der ihm später mit dem Triple 2013 den Höhepunkt schenkte.

Baldige Übergabe angekündigt

Knapp sechs Jahre später prägt Aufsichtsratschef Hoeneß den FC Bayern weiter wie kein Zweiter. Ob Trainer Kovac, Sportdirektor Hasan Salihamidzic oder der künftige Vorstandschef Oliver Kahn – alle sind sie Hoeneß-Männer. Er holte sie teilweise trotz massiver Zweifel seines Freundes Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandschef wird die Bayern Ende 2021 verlassen, Hoeneß geht wohl vorher.

"In zwei, drei Jahren, vielleicht noch früher", werde er die Geschäfte übergeben, sagte er vor einigen Wochen. Nun geht es offenbar deutlich schneller. Hoeneß will ein bestelltes Feld hinterlassen, mit dem Begriff "Lebenswerk" kann er aber "nichts anfangen", auf eine Statue lege er "keinen Wert". (sid, 23.7.2019)