Der Ausblick für die heimische Wirtschaft ist stabil.

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Immerhin steht eines fest. Die Hochkonjunktur ist vorbei. Besonders in Deutschland steigt die Angst vor einer Rezession. Wie steht es dann um die heimische Wirtschaft. Droht eine Krise? Nein. Zumindest nicht, wenn es nach dem Institut für Höhere Studien (IHS) geht. In seiner aktuellen Mittelfristprognose erwartet das Institut weiterhin ein solides Wachstum für die kommenden fünf Jahre. Um 1,6 Prozent soll das reale Bruttoinlandsprodukt jährlich zunehmen – etwas weniger, wenn man es mit dem Durchschnitt der vorigen Periode vergleicht. "In den Jahren 2017 und 2018 wuchs die Wirtschaft ohne Tempolimit, mittlerweile haben wir ein solches", sagt IHS-Chef Martin Kocher am Mittwoch. Der Hauptantrieb für die Konjunktur bleibe der private Konsum. Große Inflationssprünge erwartet das IHS ebenfalls nicht. Diese werde unter der zwei Prozentmarke bleiben. Investitionen und Exporte dürften nachlassen.

Weniger positiv sieht es für den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosigkeit werde nicht weiter sinken und auf dem aktuellen Niveau von 7,2 Prozent (nationale Definition) stagnieren. Beim IHS steht man dieser Entwicklung ambivalent gegenüber. Einerseits sei es natürlich schade, dass die Arbeitslosigkeit nicht weiter sinke, andererseits habe man in älteren Prognosen mit rund zehn Prozent gerechnet. So gesehen sei die Entwicklung nicht so schlecht.

Geht es nach den Ökonomen, steht Österreich mittelfristig also eine durchaus positive Zukunft bevor. Aber: Das IHS prognostiziert auf Basis des Status quo. Relativ bald könnten sich hierzulande Rahmenbedingungen ändern, denn Österreich wählt im Herbst eine neue Regierung. Die IHS-Annahme basiert auf Maßnahmen, die im Juni bereits beschlossen wurden. Die Prognose berücksichtigt somit keine mögliche Steuerreform.

Überdies gibt es weltweit diverse Brandherde, die diese "Schönwettervorhersage" durcheinanderbringen könnte. Das weiß auch Kocher: "Je länger der Zeitraum einer Prognose, desto heroischer ist die Annahme, dass sich nichts ändert."

Globales Ungemach

Worum geht es? Globale Unsicherheiten, Protektionismus und Handelskonflikte belasten die Weltkonjunktur. Das Institut geht jedoch nicht von einer weiteren Eskalation an diesen Fronten aus und erwartet ein durchschnittliches Plus von 3,4 Prozent für die Weltwirtschaft. Im Euroraum sollen es 1,4 Prozent sein.

Auch am Persischen Golf ist die Lage angespannt. Eskaliert der sich immer weiter verschärfende Konflikt mit dem Iran, könnte dies zu einem Ölpreisschock führen, der sich unweigerlich auf die Konjunktur auswirken würde.

In Europa geht die Ungewissheit von Großbritannien aus. Mit Boris Johnson hat das Vereinigte Königreich nun einen Brexit-Hardliner als Premier. Beim IHS regiert der Zweckoptimismus. Für einen harten Brexit habe man kein Szenario errechnet. Sollte es zu einem Hard Brexit, also zu einem ungeordneten Austritt der Briten aus der EU kommen, wäre das für Österreich "keine Katastrophe", aber sicher nichts Positives, schätzt Kocher. Österreich betreibe nicht genug Handel mit Großbritannien, um unmittelbar und kurzfristig stark davon betroffen zu sein – anders als Deutschland.

Die deutsche Industrie kriselt und könnte die ganze Wirtschaft mit hinunterziehen. Das Schreckgespenst Rezession schwebt bereits im Raum. Österreich ist mit Deutschland wirtschaftlich eng verbunden, man könnte meinen, dass das Auswirkungen haben könnte. Laut IHS besteht jedoch (noch) kein Grund zur Sorge. Das hat dreierlei Gründe. Zum einen habe sich Österreich in den vergangenen Jahren von der deutschen Entwicklung abgekoppelt. Man profitiere von der Osterweiterung der EU. Die Märkte im Osten wachsen stärker als Deutschland, und man könne diesen Zugang gut nutzen. Weiters habe es hier in den vergangenen Jahren wirtschaftspolitische Reformen gegeben, die Österreich einen Vorteil gegenüber den deutschen Nachbarn verschafften. Die große Koalition ließe vieles stillstehen. Der dritte Faktor ist die Demografie. Deutschland kämpft stärker mit der Alterung und der demografischen Entwicklung der Bevölkerung als Österreich.

Dieser "Vorteil" lässt sich auch zynisch auslegen. Die heimische Bevölkerung erreicht diesen Punkt etwas später und hinkt den anderen auch in diesem Fall ein paar Jahre hinterher. (and, 24.7.2019)