Die ehemalige CIA-Mitarbeiterin und Facebook-Managerin geht mit Zuckerbergs Konzern hart ins Gericht.

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Datenschutzskandale, Fake News, Werbung für Neonazi-Parteien – das Ansehen von Facebook hat in den vergangenen Jahren erheblich gelitten. Die Aussagen einer ehemaligen Geheimdienstmitarbeiterin, die auch mehrere Monate im Facebook-Management tätig war, dürften die Situation eher nicht verbessern.

Yael Eisenstat war zuvor als Diplomatin, Beraterin des einstigen US-Vizepräsidentin Joe Biden und auch für den Geheimdienst CIA tätig. Sie blickt gegenüber Wired auf ihre Zeit beim sozialen Netzwerk zurück. "Facebook weiß mehr über euch, als die CIA", sagt sie.

Am Abstellgleis gelandet

Der Konzern hätte sie als "Head of Global Elections Integrity Ops" an Bord geholt sagte sie. Laut ihrer Jobbeschreibung wäre es in ihrer Verantwortung gelegen, das Vorgehen gegen organisierte Wahlmanipulationen auf der Seite zu leiten. Doch schon am zweiten Tag habe ihre Vorgesetzte ihre Aufgaben geändert. Statt ihr die Möglichkeit zu geben, eine eigene Abteilung aufzubauen, fühlte sie sich "ins Eck gestellt", ohne Möglichkeiten, ihre ursprünglich vorgesehene Arbeit zu tun.

Eisenstat denkt nicht, dass ihre Anstellung als PR-Stunt gedacht gewesen war, beschreibt sie aber als die "verwirrendste berufliche Erfahrung ihres Lebens". Sie sei absichtlich auf das Abstellgleis geschoben worden. An Meetings, in denen über Maßnahmen gegen die Beeinflussung der Midterm-Wahlen 2018 gesprochen worden sollte, durfte sie letztlich nicht einmal teilnehmen, obwohl sie einst dafür vorgesehen war, diese zu leiten.

Nur minimale Maßnahmen gegen Manipulation

Hinsichtlich der dann tatsächlich gesetzten Maßnahmen zur Vermeidung von Wahlmanipulation habe Facebook dann letztlich nur das "absolute Minimum" unternommen, mit dem man "davonkommen" konnte. Sie selbst versuchte, das Theme stärker zu forcieren, stieß aber auf taube Ohren. Gerade wenn es um Beeinflussung aus dem Ausland ginge, gäbe es ein paar einfache Mechanismen, die schon viel bewirken könnten.

Facebook erklärte in einer Stellungnahme, dass man tagtäglich Millionen Fakeaccounts blockiere, das mit Partnern betrieben Factchecking-Programm ständig ausweite und auch laufend die technischen Mittel zur Vermeidung von Manipulation verbessere.

Parasitäres Verhältnis

Die Ex-Managerin kritisiert auch das Geschäftsmodell von Facebook. Es setze auf die "schlechtesten Eigenschaften" der menschlichen Psyche und versucht dabei, sie auf der Plattform aktiv zu halten. Übertriebene Überschriften und emotionalisierende Inhalte funktionieren dafür sehr gut, sorgen aber auch für stärkere Polarisierung, die fremde Akteure ausnutzen können.

Dabei sammeln sie über ihre Nutzer zahlreiche Daten und wüssten oft mehr über sie, als Geheimdienste wie das CIA. Das Verhältnis solcher Plattformen zu den Nutzern sei im Grunde parasitär.

Mehr Bewusstsein bei User und Politik

Um die Situation zu ändern brauche es eine gesellschaftliche Diskussion, die langsam ins Rollen gerate, weil immer mehr Menschen sich dieser Problematiken bewusst würden. Gefragt ist auch die Politik, in der Befragung von Mark Zuckerberg und anderen hochrangigen IT-Managern im US-Senat sieht sie einen deutlichen Fortschritt – auch wenn nicht jeder Abgeordnete sich dabei besonders netzaffin gezeigt habe. (red, 25.07.2019)