Nordkorea entwickelt "unablässig übermächtige Waffensysteme".

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Kim Jong-un hat das Abfeuern der "neuartigen taktischen Lenkwaffe" persönlich "organisiert und angeleitet".

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Kim Jong-un beklatscht den geglückten Start.

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Seoul – Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat die jüngsten Raketentests seines Landes als Warnung an Südkorea bezeichnet. Man habe keine andere Wahl, als "unablässig übermächtige Waffensysteme" zu entwickeln, um den "potenziellen und direkten Bedrohungen" aus dem Süden zu begegnen, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag.

Die Regierung in Seoul rede zwar vom Frieden, gleichzeitig importiere sie jedoch neue Waffen und halte Militärübungen ab, so Kim. Südkorea hat heuer die ersten F-35-Kampfflugzeuge aus den USA erhalten. Der Machthaber habe das Abfeuern der "neuartigen taktischen Lenkwaffe" persönlich "organisiert und angeleitet", berichtete die Agentur.

US-Präsident Donald Trump sagte am Freitag überraschend, dass er "nicht verärgert" sei über die Raketentests Nordkoreas.

Die Raketen wurden vom gleichen Testgelände wie beim Versuch im Mai abgefeuert.

Nordkorea hatte nach Angaben des südkoreanischen Militärs am Donnerstag zwei Kurzstreckenraketen getestet. Dies hatte Zweifel an den geplanten Atomgesprächen zwischen den USA und Nordkorea geweckt. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Freitag dem Sender Fox News, viele Staaten versuchten Eindruck zu schinden, bevor sie sich an den Verhandlungstisch setzten.

Gespräche "in einigen Wochen"

Pompeo äußerte gegenüber Bloomberg TV die Erwartung, dass es "in einigen Wochen" zu neuen Gesprächen mit Pjöngjang kommen werde. "Wir möchten, dass die Diplomatie funktioniert. Wir möchten, dass Vorsitzender Kim das Versprechen erfüllt, das er Präsident Trump gegeben hat, nämlich atomar abzurüsten." Der US-Außenminister hätte seinen nordkoreanischen Amtskollegen Ri Yong-ho eigentlich kommende Woche am Rande eines Sicherheitsforums in Bangkok treffen sollen. Aus diplomatischen Kreisen verlautete aber, dass Ri seine Teilnahme an der Konferenz abgesagt habe.

Das nordkoreanische Militär hatte am Donnerstagmorgen nach südkoreanischen Angaben zwei Kurzstreckenraketen in Richtung offenes Meer abgefeuert. Die Geschoße basieren auf der russischen SS26 "Iskander"-Raketen.

Uno-Resolutionen verbieten Nordkorea – das mehrfach Atombomben getestet hat – die Starts von ballistischen Raketen kurzer, mittlerer und langer Reichweite. Solche Raketen sind in aller Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können.

Treffen in Panmunjom

Nach den Angaben des südkoreanischen Militärs flog eine Rakete in einer Höhe von 50 Kilometern etwa 430 Kilometer, die zweite 690 Kilometer weit. Beide Raketen seien ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) gestürzt. Als Kurzstreckenraketen gelten Raketen unterhalb einer Reichweite von 1.000 Kilometern.

Kim und US-Präsident Donald Trump hatten Ende Juni bei einem kurzen Treffen im Grenzort Panmunjom auf der Koreanischen Halbinsel Arbeitsgespräche zur atomaren Abrüstung in der Region vereinbart. Nach ihrem gescheiterten Gipfeltreffen im Februar in Vietnam weckte das Treffen neue Hoffnung auf Fortschritte in den festgefahrenen Verhandlungen über das Atomprogramm Nordkoreas

Wirtschaft schrumpft

Eine Dürre und die internationalen Sanktionen wegen des Streits über das Atomwaffenprogramm haben Nordkoreas Wirtschaft nach Darstellung der südkoreanischen Zentralbank 2018 so stark einbrechen lassen wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Sie sei real um 4,1 Prozent geschrumpft, erklärte die Notenbank des Nachbarlandes. Das sei der schlechteste Wert seit 1997 und bereits das zweite Jahr in Folge mit einem Minus. Die Exporte seien fast zum Erliegen gekommen.

Nordkorea selbst veröffentlicht keine Wirtschaftsdaten. Südkoreas Schätzungen, die das Land seit 1991 veröffentlicht, basieren auf Informationen aus verschiedenen Quellen, unter anderem den südkoreanischen Handelsbehörden. (APA, Reuters, 26.7.2019)