Da stimmt doch etwas nicht: Trump vor dem gefälschten Siegel.

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So sollte es eigentlich aussehen: das offizielle Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

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Als Donald Trump am Dienstagmorgen im Marriott Marquis Hotel in Washington ans Rednerpult trat, prangte hinter ihm – wie immer bei solchen Auftritten – das Präsidentensiegel an der Wand. Es zeigt eigentlich einen Weißkopfseeadler mit einem Schild in den Flaggenfarben der USA vor der Brust, Pfeilen in einer Klaue und einem Zweig in der anderen, über dem der Schriftzug "E pluribus unum" – "Aus vielen eins" prangt. Normalerweise.

Als Trump die Bühne betrat, um auf Einladung der Organisation Turning Point vor konservativen Jugendlichen zu sprechen, warf der Projektor ein ganz anderes Bild auf die Wand. Plötzlich hatte der Adler zwei Köpfe statt einem – eine deutliche Anspielung auf das russische Wappen und das vieldiskutierte Naheverhältnis, das Trump zu Russland pflegt. Sogar Hammer und Sichel fanden sich mehrfach auf dem Brustschild des Adlers.

Golfschläger statt Pfeile

Die Pfeile in der linken Klaue des Tiers waren durch Golfschläger ersetzt, der grüne Zweig in seiner rechten Klaue durch ein Bündel Dollarscheine. Die Golfgewohnheiten des Präsidenten stehen immer wieder in der Kritik. Eine eigens dafür aufgesetzte Website zählt sogar mit, wie oft der Präsident seinem liebsten Hobby nachgeht – fast zweihundert Mal sollen es seit seiner Angelobung gewesen sein.

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Als letztes Detail war der lateinische Schriftzug über dem Kopf des Adlers durch einen spanischen vertauscht: "45 es un títere" – "45 (der 45. Präsident der USA, Anm.) ist eine Marionette", stand da zu lesen. Eine Anspielung sowohl auf Trumps Feindseligkeit gegenüber mittel- und südamerikanischen Einwanderern als auch auf ein Wortgefecht mit seiner Kontrahentin Hillary Clinton im letzten Wahlkampf.

Grafikdesigner hat das Siegel entworfen

Ausgedacht haben soll sich das Ganze ein Grafikdesigner namens Charles Leazott. Nach der Wahl Trumps zum Präsidenten wandte sich der Mann, bis dahin Republikaner, von seiner Partei ab. Aus Frust entwarf er das falsche Siegel, das daraufhin als Witz in seinem Bekanntenkreis kursierte.

Wie es dazu kam, dass das falsche Siegel Monate später hinter dem Präsidenten prangte, ist noch nicht ganz klar. Angeblich soll ein Mitarbeiter von Turning Point nach dem Wappen gegoogelt und just das gefälschte ausgewählt haben. Ins Netz war es wohl über eine Merchandise-Seite von Trump-Gegnern gelangt. Der Mitarbeiter von Turning Point wurde entlassen. (rio, 26.7.2019)