Ebenfalls Teil der Community: Reh-kin, Personen, die sich als Reh identifizieren.

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Im Internet entwickeln sich immer wieder Subkulturen, die für Außenstehende bizarr wirken – ASMR, Videos, die eine Art Kribbeln im Kopf auslösen sollen; Incels, Frauenhasser im Netz oder Personen, die Livestreams von sich erstellen, während sie essen.

Eine weitere machen nun sogenannte "Otherkin" aus. Dabei handelt es sich um User, die behaupten, sich nicht als Menschen zu identifizieren. Manche sehen sich spirituell als Tier – beispielsweise ein Reh; als übernatürliches Wesen wie ein Drache oder ein Engel; oder gar etwas, das gar kein Lebewesen ist – etwa Knödel oder sogar der Planet Pluto. Seit einigen Jahren tummelt sich eine Gemeinde an Usern vermehrt auf Plattformen wie Tumblr und Reddit.

Im Netz verbreitet

Das Netz hat Otherkin erst populär gemacht: Außerhalb des Internets ist die Community kaum zu sehen. Am ehesten lassen sich noch Gemeinsamkeiten mit sogenannten "Furries" finden, eine Gruppierung, die sich für anthropomorphe Tiere interessiert und sich verkleidet.

Wie Pedro Feijó von der Cambridge-University recherchiert hat, gibt es Fälle von Therianthropie – Menschen mit tierischen Eigenschaften und umgekehrt – bereits in der Literatur des 19. Jahrhunderts. Gänzlich neu ist das Phänomen also nicht, jedoch haben Vertreter der Otherkins im Internet einen Weg gefunden, sich miteinander zu vernetzen und über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Opfer von Häme

Das hat aber auch für viel Hass gesorgt – immer wieder machen sich User über Beiträge der Otherkins lustig. Etwa im Subreddit "Otherkringe" werden als lächerlich gesehene Postings der Otherkins geteilt, in den Kommentaren werden diese dann aufs Korn genommen. Immer wieder schreiben User, dass sie psychiatrische Hilfe benötigen würden.

Wie "Vice" in einer ausführlichen Reportage schreibt, würden die meisten Otherkins dem jeweiligen Wesen, mit dem sie sich identifizieren, nacheifern. So würden sie die wahrgenommenen Eigenschaften, die dieser darstellt – etwa ein Drache, der als weise und mutig gesehen wird – in sich selbst suchen. Somit dürfte es sich in gewisser Weise auch um einen Weg handeln, um sich selbst weiter zu entwickeln und zu bessern. (red, 15.02.2020)