Der Sohn des verstorbenen Ex-ORF-Generalintendanten Gerhard Weis empfindet Beileidsbekundungen von ÖVP und FPÖ als "Heuchelei".

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Am Freitag verstarb der ehemalige ORF-Generalintendant Gerhard Weis nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren. Beileidsbekundungen kamen von Vertretern aller Parteien, auch von ÖVP und FPÖ. Gegen diese wehrt sich jetzt Weis' Sohn Florian in einem Facebook-Posting.

In dem Posting macht Weis darauf aufmerksam, dass ÖVP und FPÖ 2001 "extra ein neues (ORF-)Gesetz beschlossen, um die Amtszeit meines Vaters frühzeitig zu beenden und ihn durch Monika Lindner ersetzen zu können".

Weis spielt auf die vorzeitige Ablöse von Gerhard Weis an. Per neuem Gesetz hievten die Regierungsparteien ÖVP und FPÖ damals unter Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) Lindner an die Macht von Österreichs weitaus größtem Medienkonzern.

Manchmal besser schweigen

"Bitte nicht falsch verstehen: Ich weiß, wie Politik und Medienarbeit funktionieren", schreibt Weis auf Facebook. "Aber Eure tiefe Betroffenheit, weil er ja angeblich so ein toller ORF-Chef war, ist nicht nur ekelerregende Heuchelei, sondern pietätlos meiner gesamten Familie gegenüber. Manchmal wäre es vielleicht besser, einfach zu schweigen. Danke."

FPÖ-Chef Norbert Hofer hatte bedauert, dass Österreich mit Weis "einen großen Medienmanager" verliere, und die "in seiner Zeit als Generalintendant vorangetriebene Modernisierung des Unternehmens und die Entwicklung von mutigen und erfolgreichen TV-Formaten" gelobt. "Tief betroffen" zeigte sich auch Ex-Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) und sprach von "einer starken Stimme des öffentlichen Rundfunks". Weis habe "durch seine 30-jährige Karriere den ORF wie kein Zweiter gekannt und in unterschiedlichen Funktionen nachhaltig geprägt". (red, 29.7.2019)