Eduardo Bolsonaro, drittgeborener Sohn von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, geht nach Washington.
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Die Qualifikation des neuen brasilianischen Botschafters in den USA ist schnell umschrieben: Er spricht Englisch und ist mit den Kindern von US-Präsident Donald Trump befreundet. Diese Eigenschaften hat Eduardo Bolsonaro, drittgeborener Sohn von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, stets selbst hervorgehoben, wenn er auf den wichtigsten diplomatischen Posten seines Heimatlandes angesprochen wurde.

Diplomatisches Auftreten oder gar außenpolitische Kenntnisse werden dem 35-Jährigen indes kaum nachgesagt. Der studierte Jurist ist aktuell noch Abgeordneter der ultrakonservativen Partei seines Vaters. Sein zweites Mandat gewann er im Bundesstaat São Paulo mit einem Rekordergebnis von 1,8 Millionen Stimmen.

Im März begleitete er seinen Vater bei dessen Antrittsbesuch in die USA. Stolz postete er unter anderem Fotos mit seinem Vorbild, dem Ultranationalisten und ehemaligen Präsidentenberater Steve Bannon. Gemeinsam wollten sie gegen den "kulturellen Marxismus" vorgehen, sagte Eduardo Bolsonaro nach dem Treffen.

Vertrauter von Steve Bannon

Schon zuvor hatte Bannon ihn zum Lateinamerika-Chef seiner Bewegung The Movement gemacht. Er sei "sehr stolz" über die Ehre, erklärte Bolsonaro. Im Kongress setzt er sich für Rechts-außen-Ziele wie die Wiedereinführung der Todesstrafe ein. Unverhohlen zeigt er auch seine Sympathie für die Militärdiktatur in Brasilien (1964 bis 1985).

Als sein Vater im Wahlkampf mit Ermittlungen wegen Korruption konfrontiert wurde, verkündete Eduardo, er brauche lediglich einen Soldaten, um das Oberste Gericht "auszuschalten". Nach massiver Kritik musste er sich für diese Aussage entschuldigen. Nichtsdestoweniger kämpft er mit seinem Vater weiter gegen Urteile des Gerichts, etwa gegen die Anerkennung von Homophobie als Straftat.

Der Posten des Botschafters in den USA ist seit April frei. Erst vor ein paar Tagen ist Eduardo 35 Jahre geworden und hat damit das Mindestalter für Botschafter erreicht. Verwunderung über die Vetternwirtschaft im "Familienunternehmen" des Präsidenten gibt es in Brasilien kaum.

Vater Bolsonaro, der mehr als zwei Dekaden Abgeordneter war, hat seine Kinder schon früh in gut bezahlten Jobs im Kongress untergebracht – wo sie allerdings laut brasilianischen Medien so gut wie nie auftauchten. Längst haben alle drei ein politisches Amt inne: Eduardo bisher im Kongress, Flávio im Senat und Carlos im Stadtrat von Rio de Janeiro. (Susann Kreutzmann, 29.7.2019)