Die Grace 1 vor Gibraltar.

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Britische Soldaten entern den Tanker.

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Teheran – Der Kapitän des Anfang Juli vor dem britischen Überseegebiet Gibraltar beschlagnahmten iranischen Tankers hat den Einsatz der britischen Marine als unverhältnismäßig kritisiert. Der Inder warf den Soldaten am Dienstag in einem BBC-Interview "rohe Gewalt" vor. Die bewaffneten Marineinfanteristen seien mit einem Hubschrauber am Schiff gelandet und hätten die Besatzung gezwungen, sich hinzuknien.

"Ich stand unter Schock, jeder stand unter Schock", sagte der Kapitän des mit iranischem Erdöl beladenen Supertankers Grace 1, der namentlich nicht genannt werden wollte. Er frage sich, wieso die Einsatzkräfte mit "solch roher Gewalt" vorgegangen seien. Die Soldaten hätten einfach an Bord kommen und ihm sagen können, dass er festgenommen sei.

Briten weisen Vorwürfe zurück

Das britische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe zurück und erklärte, der Einsatz sei in "voller Übereinstimmung mit internationalen Regeln und Normen" erfolgt. Großbritannien begründete die Festsetzung der "Grace 1" damit, dass das Schiff im Verstoß gegen EU-Sanktionen Erdöl nach Syrien habe bringen wollen.

Der Iran bezeichnete das auch international umstrittene Vorgehen als Akt der "Piraterie" und beschlagnahmte vergangene Woche einen britischen Tanker in der Straße von Hormuz. Die Festsetzung der Stena Impero verschärfte die ohnehin starken Spannungen in der Golfregion. (APA, AFP, 30.7.2019)