Der brasilianische Präsident Bolsonaro drohte dem US-Journalisten Glenn Greenwald mit Gefängnis.

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Rio de Janeiro – Der in Brasilien lebende US-Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald will sich von Präsident Jair Bolsonaro nicht einschüchtern lassen und im Lande bleiben. "Ich werde nicht aus diesem Land fliehen", sagte Greenwald am Dienstagabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro. Tage zuvor hatte der rechtsgerichtete Staatschef Greenwald laut brasilianischen Presseberichten mit Gefängnis gedroht.

Greenwald ist mit einem Brasilianer verheiratet. Er hatte sich vor Jahren international einen Namen gemacht, als er maßgeblich an der Aufarbeitung der Unterlagen des Informanten Edward Snowden zu Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA beteiligt war.

Enthüllungen belasten Justizminister

Das von Greenwald mitgegründete US-Portal "The Intercept" hatte mutmaßliche Textnachrichten des früheren Richters und heutigen brasilianischen Justizministers Sergio Moro veröffentlicht. Bolsonaro sagte daraufhin, dass Greenwald ein Verbrechen begangen habe und vielleicht in Brasilien im "Knast" landen könnte. "Natürlich ist das Risiko groß, dass ich festgenommen werde", sagte Greenwald nach einem Bericht der Zeitung "Folha de São Paulo".

Moro hatte als Richter eine entscheidende Rolle bei der Inhaftierung des früheren brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2010) gespielt. Lula konnte wegen der Verurteilung nicht bei der Präsidentenwahl 2018 antreten, die Bolsonaro gewann. Die von "The Intercept" veröffentlichten Dialoge sollen beweisen, dass Moro während des Verfahrens nicht unabhängig gewesen sei und der Staatsanwaltschaft unzulässige Hinweise gegeben habe.

Bei der Solidaritätskundgebung in Rio am Dienstag stärkten auch prominente Künstler Greenwald den Rücken. Die Enthüllungen zeigten, mit welchen Machenschaften die gegenwärtige Regierung gewählt worden sei, sagte der Liedermacher Chico Buarque ("A banda"). (APA, 31.7.2019)