Der Gatte ließ sich vertreten, die geflohene Ehefrau erschien am Dienstag selbst vor Gericht: Es war der erste Auftritt von Prinzessin Haya bint Al-Hussein seit ihrem Verschwinden aus Dubai Anfang Juni. Die Halbschwester des jordanischen Königs ist demnach, wie vermutet, tatsächlich in London, wo die britische Gerichtsbarkeit erst einmal mit der Schlichtung des Streits zwischen ihr und dem Emir von Dubai um die Kinder betraut ist. Am Dienstag war der erste reguläre Termin. Dabei ging es explizit nicht um die Scheidung und um Geld, sondern um das Sorgerecht.

Aus besseren Zeiten: der Emir und die Prinzessin im Jahr 2011 beim Pferderennen in Ascot.
Foto: REUTERS/Suzanne Plunkett

Die Interessen der prominenten Klienten werden von ebensolchen Anwälten vertreten: Im Fall der 45-jährigen Prinzessin ist das Fiona Shackleton, die schon die Scheidungen zweier britischer Königssöhne, Charles und Andrew, gemanagt hat.

Promi-Anwälte

Mohammed bin Rashid Al Maktum, 70, Herrscher von Dubai sowie Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), wird von Helen Ward vertreten, zu deren Klienten Bernie Eccle stone und Guy Ritchie, damals noch verheiratet mit Madonna, gehörten.

Aber genug des Promi-Namedroppings. Prinzessin Haya, die Mohammed bin Rashid 2004 geheiratet hatte und in den Jahren darauf in Interviews von ihrem Ehemann schwärmte, fuhr am Dienstag vor Gericht mit schweren Geschützen auf: Sie will nämlich unter eine "Forced Marriage Protection Order" gestellt werden, den seit 2007 im britischen Gesetz verankerten Schutzakt gegen Zwangsheirat. Ganz klar ersichtlich war nicht, wie das in ihrem Fall zu verstehen ist: Dass sie ihre Ehe mit dem Scheich unfreiwillig geschlossen hat, wäre wohl schwer haltbar.

Im Namen der Tochter?

Laut britischen Medien rief sie den Schutz "im Namen eines ihrer Kinder" an: Da liegt der Gedanke an die elfjährige al-Jalila nahe (Sohn Zayed ist sieben). Ob Konkretes vorliegt – am Golf werden ja Mädchen gerne innerhalb der Familie versprochen und verheiratet, auch der Emir von Dubai ist selbst in erster Ehe mit einer Cousine sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits vermählt –, ist unbekannt. Auf alle Fälle kann Haya glaubhaft anführen, dass Mohammed bin Rashid mit seinen Töchtern nicht zimperlich umgeht, wenn sie nicht so wollen wie er (siehe unten).

Außerdem beantragte Haya eine "Non-Molestation Order" (Nichtbelästigungsbefehl), meist eingesetzt, um gewalttätige Partner von misshandelten Frauen fernzuhalten. Das ist kein Ruhmesblatt für den Herrscher von Dubai, den nach dem Kronprinzen von Abu Dhabi mächtigsten Mann der Vereinigten Arabischen Emirate. Überhaupt ist das Ganze ein wahres PR-Desaster: Dubai, die weltoffene Stadt am Persischen Golf; die Emirate, die beweisen wollen, dass Modernität mit ihren Traditionen ohne Weiteres vereinbar ist. Die in Jordanien geborene, aber in Großbritannien erzogene und ausgebildete Prinzessin Haya sieht das offenbar nicht (mehr) so.

Haya beantragte eine "Non-Molestation Order".
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Sie soll auch eine gerichtliche Vormundschaft für ihre Kinder beantragt haben, die damit dem Vater eindeutig entzogen würden. Mohammed bin Rashid hat demnach einen Antrag einbringen lassen, dass die Kinder nach Dubai zurückgebracht werden. Ein dortiges Gericht würde wohl beide Kinder ohne weiteres dem Vater zusprechen – auch wenn es nicht gerade der Emir wäre –, zumal sie ihn verlassen hat. Nur kleine Kinder bleiben bei ihrer Mutter.

Öffentliches Interesse

Dass das royale Schmutzwäschewaschen vor medialem Publikum stattfindet, ist dem zuständigen Richter zu verdanken, der ein "öffentliches Interesse" ortete. Ein Antrag der Anwälte des Scheichs, keine Medien zuzulassen, wurde vom Richter abgelehnt; der Zutritt war aber nur in Großbritannien akkreditierten Journalisten erlaubt.

Ein Mitbetroffener absolvierte hingegen am Samstag eine Stippvisite in den VAE, konkret in Abu Dhabi: König Abdullah II. von Jordanien besuchte seinen "lieben Bruder, seine Hoheit Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, seine Söhne und lieben Enkel".

Finanzhilfe für Jordanien

Zwar hört man immer wieder von Spannungen zwischen dem Kronprinzen von Abu Dhabi (der obige) und dem Herrscher von Dubai (der verlassene Ehemann). Aber der jordanische König ist auf gute Beziehungen zu den gesamten Emiraten angewiesen, die, wie auch Saudi-Arabien, dem wirtschaftlich maroden Königreich mit Finanzhilfen unter die Arme greifen.

Haya ist die Tochter König Husseins und Alias, die 1977 bei einem Hubschrauberabsturz starb. Von der Mutter des jetzigen Königs, Muna, ließ sich Hussein 1972 scheiden; insgesamt war er viermal verheiratet.

Von Prinzessin Haya weiß der arabische Klatsch auch einiges zu berichten – aus Gegenwart und Vergangenheit, wobei politisch relevant nur das Gerücht ist, dass sie dem damaligen "goldenen Ritter" Basil al-Assad, dem Erstgeborenen des syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad, nahegestanden sein soll. Wäre er nicht 1994 bei einem Autounfall umgekommen, säße heute wohl er im Präsidentenpalast in Damaskus, nicht der zweitgeborene Bashar. (Gudrun Harrer, 1.8.2019)