Krone-Chefredakteur Klaus Herrmann hielt den gewohnten Kurs gegenüber Immobilienmilliardär und Krone-Investor René Benko, als er sich vor einer Woche in der Wiener Concordia einem Publikumsgespräch stellte. Die Redaktion empfinde Benko als "Bedrohung" ihrer Unabhängigkeit. Wie bei der Krone gewohnt, liegen die Meinungen der Redakteure und jene des Herausgebers nicht weit auseinander. Doch hinter den Kulissen wird eine Annäherung zwischen Herausgeber und Eigentümervertreter Christoph Dichand und "Bedrohung" Benko kolportiert, manche hören gar von einer bevorstehenden "Einigung".

Beide Seiten schweigen auf Anfrage zu dieser kolportierten Annäherung. Das ist nicht weiter ungewöhnlich bei eher schweigsamen Playern, hier aber fällt die konsequente Stille doch auf.

Auch das Timing ist ungewöhnlich: Im September rechnen die Krone -Gesellschafter und ihre Anwälte mit einer Grundsatzentscheidung über das Verhältnis der Gesellschafter, über die Krone und darüber, wem sie künftig gehört. Heute hält die Familie Dichand 50 Prozent an Österreichs größter Tageszeitung, die anderen 50 eine Firma der deutschen Mediengruppe Funke (Westdeutsche Allgemeine, Hamburger Abendblatt, Hörzu), an der Benko Ende 2018 fast die Hälfte der Anteile übernommen hat.

Da standen Benkos und Dichands einander noch näher: "Maroni und Punsch" des damaligen Demnächst-Kanzlers und ÖVP-Chefs Sebastian Kurz Anfang Dezember 2017. Von links: René und Nathalie Benko, Eva und Christoph Dichand.
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Was entscheidet das Schiedsgericht?

Im September soll ein Schiedsgericht nach Schweizer Recht entscheiden, ob die Funke-Gruppe Rahmenvereinbarungen aus den Jahren 1987 und 2003 kündigen darf, die der Familie Dichand rund 7,3 Millionen Euro Gewinn pro Jahr garantieren, unabhängig vom Geschäftsgang der Krone. Die Vereinbarungen binden die Funke-Gruppe im Krone-Kurier-Verlag Mediaprint an die Stimmen der Dichands. Und sie geben den Dichands weitgehende Entscheidungshoheit über die Redaktion.

Wie halten die Dichands dagegen?

Die Dichands argumentieren vor dem Schiedsgericht, die Rahmenvereinbarungen seien untrennbar mit den Gesellschaftsverträgen der Krone verbunden. Und wer die Auflösung der Gesellschaft betreibt, muss dem anderen Gesellschafter seine Anteile zum Buchwert – also zu einem sehr günstigen Preis – verkaufen.

Was passiert, wenn die Vorrechte der Dichands fallen?

René Benko hat nach Infos des STANDARD mit der Funke-Gruppe eine Option vereinbart: Wenn das Schiedsgericht sein Okay zur Kündigung der Vorrechte gibt, übernimmt Benko auch die übrigen Anteile der deutschen Mediengruppe an jener Gesellschaft, die 50 Prozent an der Krone und fast 50 Prozent am Kurier hält.

Sind die Vorrechte der Dichands mit dem Schiedsspruch weg?

Bei einem Verfahren vor dem Handelsgericht Wien erklärte einer der Anwälte der Funke-Gruppe Anfang Juli, dem Schiedsspruch müsse ein Aufhebungsverfahren nach Schweizer Recht folgen, das bis zu einem Jahr dauern kann.

Wie geht es weiter, wenn sich die Dichands und Benko die "Krone" teilen?

Die Dichands und die Funke-Gruppe streiten seit Jahrzehnten, jedenfalls seit Anfang der 2000er-Jahre, über Erträge, Führung und teils auch redaktionelle Linie ihrer gemeinsamen Zeitung. Christoph Dichand, jüngster Sohn des Gründers Hans Dichand, soll sehr bedacht darauf sein, dass er das Sagen in der Redaktion behält, schon als Verpflichtung gegenüber seinem 2010 verstorbenen Vater. Benkos Einstieg wiederum ist schwer auf die Ende 2018 verlauteten Überlegungen zur digitalen Verschmelzung von Medien, Handel, Freizeit und anderen seiner Geschäftsfelder zu reduzieren. Benko gilt nicht zuletzt als Vertrauter von ÖVP-Chef und Kanzlerkandidat Sebastian Kurz. Benko gilt auch als sehr entschlossener Unternehmer, der mit 50 Prozent der Anteile die Mitgesellschafter durchaus gut zu beschäftigen weiß.

Warum sollte man sich gerade jetzt annähern?

Beim vorigen Anlauf der Funke-Gruppe, die Vorrechte zu kündigen, entschied das Schiedsgericht rein formal, dass eine Kündigung noch nicht möglich wäre. Inzwischen sind die ersten vertraglichen Fristen dafür aber verstrichen. Wenn sich abzeichnet, dass die Vorrechte nicht sicher sind, wäre es für die Dichands bei aller Überraschung 2018 über Benkos Einstieg nachvollziehbar, den Dialog zu suchen. (Harald Fidler, 2.8.2019)