Die AfD ist im Osten weiter im Aufwind.

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Berlin – Vier Wochen vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg liegt die AfD einer Umfrage zufolge im Osten vorn. Die rechtspopulistische Partei kommt hier derzeit auf 23 Prozent und liegt damit einen Punkt vor der CDU, wie aus einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid für "Bild am Sonntag" hervorgeht. Es folgen die Linke (14 Prozent), die Grünen (13), die SPD (11) und die FDP (7).

Jörg Urban führt die AfD in Sachsen in die Wahl.
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Bundesweit kommt die AfD in der Umfrage auf 14 Prozent und damit einen Zähler mehr als in der Vorwoche. Die SPD büßt einen Punkt ein und steht bei 13 Prozent. CDU/CSU bleiben bei 26 Prozent, die Grünen bei 23, die FDP bei neun und die Linke bei acht Prozent.

AfD schürt systematisch Angst vor Zuwanderern

Ebenfalls veröffentlicht wurde an diesem Wochenende eine Studie von Medienwissenschaftlern Hamburg und Leipzig, welche belegt, dass die AfD systematisch Furcht vor Zuwanderern schürt. "Überraschend ist, wie konsequent das geschieht", berichten die Professoren Thomas Hestermann und Elisa Hoven in der "Kriminalpolitischen Zeitschrift".

Andreas Kalbitz ist AfD-Spitzenkandidat in Brandenburg.
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Die Wissenschafter hatten sämtliche 242 Pressemitteilungen der AfD zum Thema Kriminalität in Deutschland aus dem vergangenen Jahr analysiert und mit der Kriminalitätsstatistik verglichen: "Soweit die AfD bei Tatverdächtigen die Nationalität nennt, sind dies zu 95 Prozent Ausländer, nur zu fünf Prozent Deutsche", berichtete Hestermann auf Anfrage. Bei den fünf Prozent deutschen Tatverdächtigen in den AfD-Mitteilungen werde stets betont, dass diese einen Migrationshintergrund hätten oder ihr Tatbeitrag gering gewesen sei, so die Forscher. Tatsächlich liegt der Anteil der nicht-deutschen Verdächtigen laut Kriminalitätsstatistik bei weniger als 35 Prozent.

Überrepräsentiert

Im Fokus der AfD standen vor allem Zuwanderer aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, die 2018 laut Polizeilicher Kriminalstatistik 5,2 Prozent aller Tatverdächtigen stellen. Afghanen, die laut Statistik in 1,5 Prozent aller Fälle verdächtig werden, sind in den AfD-Mitteilungen für 20 Prozent der erwähnten Taten verantwortlich. Ähnlich sehe es bei den Syrern aus: Ihre Gruppe stellt 2,5 Prozent der Tatverdächtigen, in der Welt der AfD-Mitteilungen aber fast ein Fünftel (19 Prozent).

Während die AfD das Bild zulasten ausländischer Straftäter verzerre, werfe sie Medien gleichzeitig vor, Ausländerkriminalität zu unterschlagen, so die Medienforscher. Die Wissenschafter kommen zum umgekehrten Schluss: "Die größte Lücke liegt in der Wahrnehmung deutscher Tatverdächtiger."

Die AfD habe ihre Themen in Medien platzieren können, urteilten die Medienforscher. So etwa die vermeintlich "grassierende Messerepidemie". Dies sei von Medien aufgegriffen worden, obwohl nach Zahlen des Landeskriminalamts Niedersachsen 2017 lediglich 2,8 Prozent der erfassten Gewalttaten mit Messern verübt wurden. (APA, Reuters, 4.8.2019)