Ein Makake in einem chinesischen Labor. Angeblich haben spanische und chinesische Forscher in Embryonen solcher oder anderer nichtmenschlicher Primaten menschliche Stammzellen eingeschleust.

Foto: Reuters/CHINA DAILY

Vergangene Woche sorgte die Nachricht über eine Entscheidung des japanischen Wissenschaftsministeriums für Aufsehen: Ein Expertengremium erteilte die erste Genehmigung für Experimente mit menschliche Zellen in Embryonen von Nagetieren, seit Japan eine gesetzliche Richtlinie im März 2019 geändert hatte. Anders als bisher müssen tierische Embryonen, in die menschliche Stammzellen eingeschleust wurden, nicht mehr nach 14 Tagen abgetötet werden, sondern können auch verpflanzt und zur Geburt gebracht werden. Fernes Ziel ist, auf diese Weise eines Tages Ersatzorgane für die Transplantation in Menschen herstellen zu können.

Jetzt berichtet die spanische Tageszeitung "El País" von ähnlichen Experimenten, bei denen angeblich menschliche Stammzellen in Embryonen von Affen verpflanzt wurden. Bei den Tieren soll es sich dem Bericht zufolge um Makaken handeln. Diese ethisch besonders umstrittenen Experimente erfolgten nach Angaben der Zeitung in Zusammenarbeit mit spanischen und chinesischen Forschern in China und seien bereits zur Publikation bei einer Fachzeitschrift eingereicht worden.

Organbildung aus menschlichen Zellen

Leiter der Experimente soll demnach Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institute in San Diego sein. Belmonte hat schon viel in diesem Forschungsfeld publiziert und in der Vergangenheit auch Experimente mit nicht menschlichen Primaten gefordert, weil solche Versuche durch die nähere Verwandtschaft zum Menschen aussichtsreicher sein dürften als mit Ratten, Mäusen oder Schweinen.

Konkret geht es in derartigen Vorhaben darum, tierische Embryonen zunächst genetisch so zu manipulieren, dass die Entwicklung eines bestimmten Organs ausbleibt. Dann werden diesen Embryonen menschliche induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) eingepflanzt. Dabei handelt es sich um künstlich reprogrammierte Stammzellen, die sich in fast alle Zelltypen weiterentwickeln können. Aus diesen Zellen soll sich in den Tieren dann das fehlende Organ bilden – und eines Tages auch in Menschen transplantiert werden können.

Ethische Diskussionen

So medizinisch vielversprechend die Aussicht auf ein "tierisches Ersatzteillager" sein mag, so groß sind ethische Bedenken und gesellschaftliches Unbehagen, wie die Nachrichten aus Japan vergangene Woche zeigten. Auch wenn Bioethiker solche Studien nicht pauschal ablehnen, warnen viele vor Szenarien, für die es keinen ausreichenden rechtlichen Rahmen gibt und die mehr gesellschaftlicher Diskussionen bedürfen.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, kommentiert die angeblichen Versuche an Affen in China nun so: "Man weiß bisher noch wenig über die Versuche des Belmonte-Teams. Entscheidend wird technisch und ethisch sein, ob und wie eine Ausstreuung der menschlichen Zellen in das Gehirn beschränkt wird." Eine große ethische Befürchtung ist, dass Tier-Mensch-Mischwesen etwa menschliche Nervenzellen entwickeln könnten, die am Aufbau des Tiergehirns beteiligt sind.

Aus den noch spärlichen Informationen gewinne er den Eindruck, dass entscheidende Standards der allgemeinen Bioethik unbeachtet geblieben sein könnten, so Dabrock, und fügt hinzu: "Belmonte nutzt zwar keine Menschenaffen, aber Primaten, die nicht nur biologisch, sondern auch symbolisch dem Menschen nahestehen. Man muss schon sehr unsensibel sein, um nicht zu ahnen, dass dies gegenwärtig größtes Unbehagen, ja Verstörung auslösen wird."

Chancen und Risiken

Für Rüdiger Behr vom Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen ist die Erzeugung von Affe-Mensch-Mischwesen nach den genannten Verfahren unethisch. "Maus-Mensch- oder Schwein-Mensch-Mischwesen müssen aus meiner Sicht aber anders beurteilt werden. Was in Japan geplant ist, ist ein Schwein mit einer Bauchspeicheldrüse aus menschlichen Zellen. Das Schwein sieht aus wie ein normales Schwein, und vermutlich wird kein Mensch äußerlich ein solches Schwein-Mensch-Mischwesen von einem normalen Schwein unterscheiden können, der Anteil menschlicher Zellen würde geplanterweise wohl weniger als ein Prozent am gesamten Tier ausmachen."

In Schwein-Mensch-Mischwesen sieht der Forscher gute Chancen bei gleichzeitig geringen Risiken, eines Tages Organe für Transplantationen herstellen zu können. "Ob diese Art der Herstellung und damit die vielleicht einmal möglich werdende Rettung von todkranken Menschen eine ausreichende Rechtfertigung dafür ist, muss jeder Einzelne für sich, die Gesellschaft als Ganzes und dann schließlich rechtlich verbindlich der Gesetzgeber für den Geltungsbereich seiner Gesetze entscheiden." (red, 5.8.2019)