Stella Nyanzi.

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Ein Gedicht zum Geburtstag eines Präsidenten kann ein adäquates Geschenk sein. Ihres zum Jubeltag des ugandischen Langzeitpräsidenten Yoweri Museveni war definitiv nicht als Geschenk gedacht. Stella Nyanzi, Poetin, Aktivistin und Feministin, richtete dem autokratischen Staatschef auf Facebook aus, sie wünschte, "der saure Eiter in der Vagina" seiner Mutter hätte "ihren ungeborenen Fötus verbrannt", und warf ihm vor, "jegliche Moral und Professionalität" in den Institutionen Ugandas zu zersetzen. Sie sieht sich mit ihren provokanten Gedichten in der Tradition ugandischer Freiheitskämpfer, die einst mit ähnlich deftigen Formulierungen gegen die britischen Kolonialherren angingen.

Seit November sitzt die mittlerweile suspendierte Lektorin für medizinische Anthropologie deswegen in Haft, jetzt wurde sie nach dem "Computermissbrauchgesetz" offiziell zu 18 Monaten Haft verurteilt. Als "Schauprozess" verurteilten Ugandas Opposition und Menschenrechtsorganisationen die Verhandlungen.

Ein "paar Arschbacken"

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die 1974 in einer Kleinstadt im Süden Ugandas Geborene im Kampf für "good governance" und Menschenrechte mit dem Museveni-Clan anlegt. Bereits 2017 saß die dreifache Mutter mehrere Wochen lang im Luzira-Hochsicherheitsgefängnis für Frauen, nachdem sie das Präsidentenpaar in einem ihrer Gedichte als ein "paar Arschbacken" bezeichnet hatte.

Grund für die damalige gezielte Provokation war ein gebrochenes Wahlversprechen Musevenis. Er hatte im Wahlkampf mit kostenloser Monatshygiene für Schülerinnen im Rahmen einer Bildungsoffensive für Mädchen gelockt. Eine Forderung, die Verfechterinnen der Frauenrechte in Uganda seit Jahren stellen. Viele Mädchen bleiben während ihrer Periode der Schule fern, weil sie sich Monatshygiene nicht leisten können. Wie auch jetzt, löste Nyanzis damalige Verhaftung eine Welle der Empörung aus. Unter dem Hashtag #FreeStellaNyanzi äußerten viele afrikanische Frauen ihren Protest auf Twitter. Im Mai 2017 kam die dreifache Mutter auf Kaution frei.

Ihre neuerliche Haftstrafe sieht Nyanzi, die in London und Uganda studiert hat, abermals als politisches Statement. Auf Berufung verzichte sie, sie sei stolz darauf, was sie über den "schmutzigen, kriminellen Diktator" gesagt habe. Sie bleibe auch im Gefängnis, weil sie dort junge Frauen ausbilden und ihnen eine Stimme geben könne. Kurz vor ihrem Urteil postete sie ein weiteres Gedicht: Sie sei nicht "vor eurem Gericht" erschienen, sondern sie sei erschienen, um "dem Leoparden", wie Museveni abschätzig genannt wird, "weiter im Arsch herumzustochern". (Manuela Honsig-Erlenburg, 5.8.2019)