Lustige Katzenvideos in sozialen Medien können einen positiven Effekt auf die Politisierung haben.

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Katzenvideos und -Memes bringen Nutzer von sozialen Medien nicht nur zum Lachen – sie können auch politisierend wirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Wien, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Die Studie untersuchte, wie sich humorvolle Facebook-Beiträge auf die Aufnahme von politischen Inhalten auswirken können. Die Ergebnisse zeigen: Nachrichten aus der Politik werden kognitiv besser verarbeitet, wenn es zwischendurch etwas zu lachen gibt.

Laut einer Erhebung des Pew Research Center spielen Nachrichten eine immer größere Rolle in sozialen Medien: 68 Prozent der befragten Facebook-Nutzer, 73 Prozent der Twitter-Nutzer und 30 Prozent der Instagram-Nutzer verwendeten 2017 das jeweilige Medium, um Nachrichten zu konsumieren.

Facettenreiche Inhalte

Kein Twitter-, Facebook- oder Instagram-Feed ist gleich. Algorithmen stellen stets neue, individuelle Timelines für jeden einzelnen Nutzer zusammen. Als Grundlage für die Auswahl der Algorithmen dienen unter anderem die Interessen und Freundeskreise der Nutzer. So entstehen Nachrichtenfeeds, die eine Vielzahl verschiedener Inhalte bieten – ein Sammelsurium aus Beiträgen von Nachrichtensendern, Urlaubsfotos von Freunden und lustigen Cartoons, Tiervideos oder Memes.

Genau diese Mischung aus verschiedenen Inhalten fördere die politisierende Wirkung von sozialen Medien. Kommunikationswissenschafter Raffael Heiss und Jörg Matthes von der Universität Wien untersuchten die Wirkung, die humorvolle Inhalte auf die Aufnahme von politischen Beiträgen haben.

Ein Beispiel für Katzen-Memes.

Katzenvideos und Nachrichtenbeiträge – Seite an Seite

Die Studie führte Experimente durch, in denen einer Gruppe von Studierenden manipulierte Facebook-Feeds vorgelegt wurde. In diesen Feeds wurden drei Nachrichtenbeiträge zwischen 16 unpolitischen, unterhaltenden Postings platziert. Bei den inhaltlich neutralen Beiträgen handelte es sich um lustige Memes, Fail- und Katzenvideos. Als Vergleich erhielt eine Kontrollgruppe einen Feed, in dem dieselben politischen Beiträge zwischen neutrale, weniger unterhaltende Beiträgen verteilt wurden.

Die lustigen und nicht lustigen Postings sind inhaltlich miteinander vergleichbar – während bei der ersten Gruppe beispielsweise eine Katze die Stufen herunterpurzelt, wurde bei der Kontrollgruppe ein Video von einer normal gehenden Katze gezeigt.

Die Ergebnisse zeigten, dass Nachrichten, die in den Feeds mit lustigen Videos eingebettet wurden, aufmerksamer gelesen wurden. Außerdem stärkten sie den Wunsch der Teilnehmer, sich politisch zu engagieren.

Nicht alle Nutzer gleich

Dieser Zusammenhang gilt jedoch nicht für alle. Nutzer, die soziale Netzwerke generell weniger für den Konsum von Nachrichten verwendeten, zeigten eine positive Beeinflussung durch lustige Beiträge auf. Bei jenen Teilnehmern jedoch, die grundsätzlich mehr Nachrichten aus sozialen Medien beziehen, wurde die kognitive Aufnahme von politischen Inhalten sogar negativ beeinflusst.

Auch konnte keine positive Auswirkung auf die Erweiterung des politischen Wissens der Teilnehmer erkannt werden. Darüber hinaus ergaben die Auswertungen, dass sich die Nutzung sozialer Medien für Nachrichten negativ auf den Wissenserwerb von Nachrichten auswirkte. (hsu, 8.8.2019)