Die AfD löste mit der Verwendung von Willy Brandt auf ihrem Wahlplakat Empörung aus.

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Berlin – Neue Aufregung in Deutschland um Wahlwerbung der rechten Alternative für Deutschland (AfD): Diesmal sorgt ein Plakat der Partei in Brandenburg mit dem Konterfei des früheren sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt (1913-1992) für Empörung. Die Partei verwendet ein Foto Brandts und mit dem Zitat "Mehr Demokratie wagen". Brandt war von 1969 bis 1974 Regierungschef einer sozialliberalen Koalition aus SPD und FDP. Er war mehr als zwanzig Jahre SPD-Parteichef.

Willy Brandt stehe "für Frieden, Freiheit und die Einheit Deutschlands. Die AfD für Spaltung und Hetze", schrieb SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil auf Twitter und fügte hinzu: "Im Westen, im Osten, einfach überall. Aber hey, in Geschichte war die AfD ja noch nie gut."

"Die Berufung auf Willy Brandt ist ein grober Missbrauch und schlicht obszön", sagte der langjährige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) dem "Tagesspiegel". Thierse kritisierte zudem erneut die Berufung der AfD auf die DDR-Bürgerrechtsbewegung. "Die Gleichsetzung der Bundesrepublik von heute mit der DDR von damals ist eine unglaubliche Verharmlosung der DDR." Die kommissarische SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte: "Die Verlogenheit der AfD ist kaum zu überbieten."

Wahl im Oktober

Neben Brandenburg wird auch in Sachsen am 1. September gewählt, in Thüringen am 27. Oktober. Mit Slogans wie "Wir sind das Volk!" oder "Vollende die Wende" fährt die AfD eine Kampagne unter dem Motto "Wende 2.0". Viele Hoffnungen der Ostdeutschen in die "erste Wende" (1989/90) hätten sich nicht erfüllt, argumentiert die Partei. Die AfD-Landesvorsitzenden von Brandenburg und Thüringen, Andreas Kalbitz und Björn Höcke, kommen aus Westdeutschland. (APA, red, 8.8.2019)