Die weltweite Lebensmittelproduktion ist für große Teile der menschgemachten Treibhausgase verantwortlich.

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Schnitzel, Leberkäse, Schweinsbraten: Fleisch steht bei Österreichern groß auf den Speisekarten. Ganze 63,4 Kilogramm davon werden hierzulande pro Kopf und Jahr verputzt. Damit liegt Österreich weit über dem weltweiten Schnitt von rund 43 Kilogramm pro Person. Aber auch diese Menge hat sich in den vergangenen 50 Jahren beinahe verdoppelt. Für das Klima hat der gestiegene Fleischkonsum fatale Folgen, wie auch ein am Donnerstag in Genf veröffentlichter Sonderbericht des Weltklimarats IPCC verdeutlicht.

Diesem zufolge ist die Nahrungsmittelproduktion – allen voran jene von Fleisch – ein wesentlicher Faktor für die Erderwärmung. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und sonstige Landnutzung sind demnach für 23 Prozent der menschgemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Werden jene Emissionen hinzugerechnet, die zusätzlich bei der Lebensmittelproduktion und -verarbeitung entstehen, steigt der Wert auf bis zu 37 Prozent an. Einen großen Faktor dabei spielt der Methan- und Lachgas-Ausstoß, der vor allem auf die intensive Viehwirtschaft zurückzuführen ist.

Ernährungssicherheit gefährdet

Die Landwirtschaft ist aber nicht nur ein gewichtiger Verursacher von Treibhausgasemissionen, umgekehrt wirkt sich die globale Erwärmung auch auf die weltweite Ernährungssicherheit aus: "Die Stabilität des Nahrungsmittelangebots wird voraussichtlich sinken", heißt es in dem Bericht. Grund dafür sei die Häufung von Extremwetter-Ereignissen, die die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen. "Der aktuelle Sonderbericht unterstreicht die katastrophalen Auswirkungen, die der Klimawandel schon ab einer Erwärmung von 1,5 Grad Celsius haben kann", sagt Marco Springmann, Forscher an der britischen Oxford-Universität.

In der Viehwirtschaft – wie in dieser Rinderfarm in Brasilien – entstehen besonders viele Treibhausgasemissionen.
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Das Bevölkerungswachstum und die damit einhergehende Zunahme des Nahrungsmittelverbrauchs haben in den vergangenen 60 Jahren zu einer "noch nie dagewesenen" Rate an Land- und Frischwassernutzung in der Landwirtschaft geführt, heißt es in dem Bericht weiter. Seit 1961 habe sich der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch und pflanzlichen Fetten laut den Autoren verdoppelt, die tägliche Kalorienzufuhr ist um rund ein Drittel gestiegen.

Landflächentemperatur bereits deutlich gestiegen

Der Sonderbericht, der von mehr als hundert Experten aus 53 Ländern erarbeitet wurde, kam zu einem weiteren ernüchternden Ergebnis: Der weltweite Temperaturanstieg hat über den Landflächen der Erde bereits 1,53 Grad Celsius erreicht. Berücksichtigt man die sich langsamer erwärmenden Meeresflächen, sei die globale Temperatur seit der vorindustriellen Zeit bereits um knapp 0,9 Grad gestiegen. "Der Bericht zeigt, dass die Herausforderungen für Landsysteme noch größer sind als angenommen", sagt Helmut Haberl von der Universität für Bodenkultur. "Die Erderhitzung ist an Land viel größer als im weltweiten Durchschnitt, das heißt: Land ist besonders stark betroffen." Die Auswirkungen der Erderwärmung seien bereits "eindeutig nachweisbar", sagt Haberl, "und sie werden sich in absehbarer Zukunft verschärfen." Bereits im vergangenen Jahr hatte der IPCC in seinem ersten Sonderbericht vor den Auswirkungen gewarnt, falls die globale Temperatur insgesamt über 1,5 Grad steigen sollte

Laut dem Bericht werden bereits rund 70 Prozent der eisfreien Landfläche vom Menschen genutzt, rund ein Drittel davon sei von Verschlechterungsprozessen betroffen. Als Beispiele werden die Erosion durch intensive Landwirtschaft genannt und ein Verlust der Artenvielfalt. Die IPCC-Wissenschafter warnen außerdem vor der Zunahme von Dürreperioden. Unter dieser Entwicklung werden laut Weltklimarat vor allem Bewohner Afrikas und Asiens leiden. In Nord- und Südamerika sowie im mediterranen Raum dürfte hingegen die Zahl der Waldbrände zunehmen.

NGOs fordern zum Handeln auf

Heimische Umweltorganisationen fordern angesichts der Ergebnisse die Politik zum Handeln auf: "Wir brauchen eine radikale Trendwende in der Landnutzung und eine naturverträgliche Klimaschutzoffensive", sagt Lisa Plattner, Klimasprecherin der Umweltorganisation WWF. Die NGO spricht von einem Raubbau an der Natur und warnt vor Dürre, Überschwemmungen und Diversitätsverlust. Laut Plattner müsse Klimaschutz in allen Entscheidungen berücksichtigt werden. Die Umweltorganisation wiederholt daher abermals die Forderung nach einem Klimacheck aller Gesetze und Verordnungen.

Die IPCC-Autoren sprechen von einer "noch nie dagewesenen" Rate der Land- und Frischwassernutzung in der Landwirtschaft.
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"Der Bericht verdeutlicht, dass unsere Art, Land zu nützen, einen essenziellen Faktor in der Erderwärmung spielt", sagt auch Reyes Tirado, die für die Umweltorganisation Greenpeace an der University of Exeter forscht. Aus dem Sonderbericht gehe hervor, dass weltweit Ernährungsgewohnheiten verändert werden müssen, um den Klimawandel einzudämmen, sagt Tirado: "Unseren Fleischkonsum drastisch zu reduzieren ist das Zünglein an der Waage."

Vermeidung von Lebensmittelverlusten spielt eine große Rolle

Das muss natürlich nicht bedeuten, dass wir gänzlich auf Fleischprodukte verzichten müssen. "Allein die Vermeidung von Lebensmittelverlusten könnte bis zu zehn Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen", sagt Universitätsprofessor Haberl. "Diese Bereiche sollten vorrangig angegangen werden, auch deshalb, weil sie geringe Kosten und hohe Gesundheits-Co-Benefits haben würden."

Würde sich die Weltbevölkerung pflanzlicher und verstärkt von nachhaltig produzierten tierischen Lebensmittel ernähren, könnten laut den Studienautoren bis 2050 mehrere Millionen Quadratkilometer Land frei werden. Zudem könnte der CO2-Ausstoß pro Jahr um 0,7 bis acht Gigatonnen sinken. (Nora Laufer, 8.8.2019)