Die Präsidialgarde übergab den Palast offenbar kampflos an Kämpfer der von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten südjemenitischen Separatisten.

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Sanaa / Aden– Bei Gefechten zwischen Truppen der Regierung des Jemen und Separatisten sind in der Hafenstadt Aden seit Donnerstag nach UN-Angaben mindestens 40 Menschen getötet und 260 weitere verletzt worden. Der jahrelange Bürgerkrieg hat das Land am Südende der Arabischen Halbinsel laut UN in die schlimmste humanitäre Krise weltweit gestürzt.

Fast 80 Prozent der 24 Millionen Einwohner benötigten humanitäre Hilfe und Schutz. Allein in der Hafenstadt Aden arbeiteten derzeit 34 Hilfsorganisationen daran, rund 1,9 Millionen Menschen unter anderem mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen.

Die Fronten sind mitunter unübersichtlich.
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Kämpfe in Hafenstadt Aden

"Unsere größte Aufgabe ist jetzt die Entsendung von Ärzte-Teams, um die Verletzten zu retten. Wir sind auch sehr besorgt über Berichte, dass Zivilisten in ihren Häusern gefangen sind und ihnen Lebensmittel und Wasser ausgehen", sagte die UN-Hilfskoordinatorin für den Jemen, Lise Grande, am Sonntag.

In der strategisch wichtigen Hafenstadt Aden kommt es seit Mittwoch zu verstärkten Kämpfe zwischen Truppen der international anerkannten Regierung und den Separatisten vom Südlichen Übergangsrat (STC). Diese wollen sich vom Jemen abspalten und einen eigenen Staat gründen. Erst 1990 hatten sich Nord- und Südjemen zu einem Staat zusammengeschlossen. Nordjemens Hauptstadt war Sanaa gewesen, wo heute die Houthi-Rebellen herrschen, während Südjemen von Aden aus regiert wurde.

Separatisten eroberten Präsidentenpalast in Aden

Die Separatisten eroberten eigener Aussage zufolge am Samstagabend den Präsidentenpalast in Aden, in dem auch Regierungsbüros untergebracht sind. Die Garde habe den Komplex kampflos geräumt, berichteten einheimische Quellen der Deutschen Presse-Agentur. Der STC wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt, die Regierungstruppen haben dagegen den Rückhalt Saudi-Arabiens. Beide Länder sind eigentlich Bündnispartner im gemeinsamen Kampf gegen die schiitischen Houthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Das Bündnis rief zu einer Waffenruhe für Aden auf, die ab Mitternacht am Sonntag gelten sollte.

Die Analysten der International Crisis Group mit Sitz in Brüssel warnten vor einem "Bürgerkrieg innerhalb des Bürgerkriegs" im Jemen. Die Umstände erforderten "robustes diplomatisches Eingreifen" der UN, Saudi-Arabiens und der Emirate, um "das Schlimmste zu verhindern und eine haltbare Lösung" zu finden. (APA, dpa, 11.8.2019)