Argentiniens Präsident Mauricio Macri verliert bei den allgemeinen Vorwahlen.

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Aus den allgemeinen Vorwahlen in Argentinien ist der frühere Kabinettschef von Ex-Präsidentin Cristina Kirchner, Alberto Fernández, als stärkster Präsidentschaftskandidat hervorgegangen. Der Bewerber der Bewegung "Frente de Todos" kam am Sonntag (Ortszeit) nach Auszählung von fast 90 Prozent der Stimmen auf rund 47 Prozent und besiegte damit deutlich den amtierenden Präsidenten Mauricio Macri.

Argentiniens Landeswährung brach nach Macris Niederlage ein. Der Peso fiel am Montag zum Dollar um mehr als 30 Prozent, ein Dollar wurde mit 65 Peso gehandelt und war damit so teuer wie nie zuvor.

Die in eine Reihe von Korruptionsverfahren verwickelte Ex-Staatschefin Kirchner bewirbt sich an der Seite von Fernández um das Amt der Vizepräsidentin. Die verpflichtenden Vorwahlen dienen zur Bereinigung des Bewerberfeldes und gelten als wichtiger Stimmungstest für die Präsidentenwahl im Oktober.

Präsidentschaftskandidat Alberto Fernández gibt sich am Sonntag siegessicher.
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Macri und seine Bewegung "Juntos por el Cambio" (Gemeinsam für den Wandel) erreichten rund 32 Prozent der Stimmen. "Es tut mir weh, nicht die Unterstützung bekommen zu haben, auf die wir gehofft hatten", sagte Macri am Abend (Ortszeit) im Wahlkampfhauptquartier der Bewegung. "Das verpflichtet uns, ab morgen unsere Bemühungen zu verstärken."

Andauernde Wirtschaftskrise

Der wirtschaftsliberale Macri dürfte vor allem mit seiner harten Sparpolitik viele Menschen enttäuscht haben. Experten beziffern die Armutsquote mit 35 Prozent. Fernández versprach indes kostenlose medizinische Versorgung für Pensionisten und höhere Löhne für Arbeiter.

Argentinien steckt seit Jahren in einer wirtschaftlichen Krise. Präsident Macri hat mit Amtsantritt im Dezember 2015 eine Reihe neoliberaler Reformen durchgesetzt, die das Land wirtschaftlich wieder regenerieren lassen sollten. So lockerte er die strengen Restriktionen am Devisenmarkt, die seine Vorgängerin Kirchner eingeführt hatte, um Kapitalflucht zu vermeiden. Kirchner stand während ihrer Amtszeit und darüber hinaus immer wieder im Verdacht der Korruption.

Eine Unterstützerin von Präsidentschaftskandidat Fernández hält ein Tuch hoch, auf dem er und Ex-Präsidentin Cristina Kirchner zu sehen ist.
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Der Internationale Währungsfonds gewährte neue Kredite und die Konjunktur sollte Fahrt aufnehmen, argentinisches Auslandskapital zurückgelockt und im Land investiert werden. Doch die Erwartungen auf einen Investitionsboom erfüllten sich nicht. Vielmehr machten Zinserhöhungen in den USA Auslandsanlagen noch attraktiver, und sinkende Rohstoffpreise plagen Argentinien wie andere Schwellenländer. Die Arbeitslosigkeit kletterte auf 10 Prozent. Ein Drittel der Menschen gilt als arm. Das Land steckt in einer strukturellen Dauerkrise: Im vergangenen Jahr erreichte die Inflation 50 Prozent. (APA, red, 12.8.2019)