Der konservative Arzt Alejandro Giammatei hat die Präsidentschaftswahlen in Guatemala gewonnen.

Reuters/Jose Cabezas

Es war vermutlich der einzige Punkt, in dem die Ex-First-Lady Sandra Torres und der Rechte Alejandro Giammattei im Wahlkampf einer Meinung waren: Sie sprachen sich gegen ein von US-Präsident Donald Trump durchgesetztes Abkommen aus, das Guatemala zum Migrationspuffer für die USA machen würde. Kein Wunder, denn 80 Prozent der Guatemalteken lehnen die Aufnahme von Asylsuchenden ab, man müsse sich um die "eigenen Leute kümmern", betonte auch Giammattei.

US-Präsident Trump als gemeinsamer Feind

Skurrilerweise hat die – berechtigte – Diskussion über das umstrittene Abkommen einen von der Bevölkerung wahrgenommenen Wahlkampf mit demokratischem Anstrich erst möglich gemacht. Den gemeinsamen Feind gab darin US-Präsident Trump, der mit Sanktionen drohte, um das bitterarme Guatemala zur Aufnahme von Flüchtlingen zu zwingen. Das hat allerdings nur darüber hinweggetäuscht, dass das Land in dieser Wahl wieder nur das Mandat der korrupten und kleptokratischen Machtelite verlängern konnte. Sowohl Torres als auch Giammattei gehören ihr in unterschiedlicher Ausprägung an. Beide hatten im Wahlkampf keinerlei Konzepte gegen Korruption oder Armut zu bieten. Die letzten US-Regierungen haben zumindest versucht, Guatemala und andere zentralamerikanische Regierungen zu guter Regierungsführung zu drängen. Trump verlegt den Fokus auf reine Abschottung. Ein Schwenk, mit dem sich auch in Guatemala gut Politik machen lässt. (Manuela Honsig-Erlenburg, 12.8.2019)