Nur noch vereinzelt waren am Dienstagmorgen Protestierende zu sehen.

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Hongkong – Der letzte britische Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, hat am Dienstag eine Warnung an China ausgesprochen. Er erklärte, eine chinesische Intervention in der ehemaligen Kronkolonie wäre "eine Katastrophe", und zwar sowohl für China als auch für Hongkong. Der Flugverkehr in Hongkong war auch am Dienstag noch beeinträchtigt.

Chinas Staatschef Xi Jinping sollte die Weisheit des Versuchs sehen, die Menschen zusammenzubringen, so Patten. Eine Warnung aus Peking vor "anderen Methoden" wäre kontraproduktiv. Patten schlug dem britischen Premierminister Boris Johnson vor, dieser solle den US-amerikanischen Sicherheitsberater John Bolton ersuchen, dass auch Washington eine Intervention Chinas als Katastrophe bewerten solle. Bolton befindet sich derzeit gerade in London.

Der zeitweise durch Demonstranten lahmgelegte Flughafen von Hongkong hat seinen Betrieb wiederaufgenommen. Es ist weiterhin unklar, wann sich der Flugbetrieb von und nach Hongkong wieder zur Gänze normalisieren würde. Die Flughafenbehörde sprach davon, den Betrieb "schrittweise" wieder hochfahren zu wollen. Zugleich warnte sie vor weiteren Demonstrationen, die den Betrieb stören könnten.

Die AUA ist von den Flugausfällen nicht betroffen, sehr wohl aber die Lufthansa. Die AUA hat nach eigenen Angaben die Hongkong-Flüge seit Oktober eingestellt.

Friedlicher Protest

Am Montag hatte die Flughafenbehörde den Betrieb an dem Flughafen, einem der geschäftigsten weltweit und ein zentrales Drehkreuz für Langstreckenflüge über China und Südostasien, eingestellt. Etwa 190 Flüge waren nach chinesischen Angaben betroffen. Der konkrete Auslöser für den Schritt war nicht klar.

In dem Gebäude hielten sich seit vier Tagen tausende Demonstranten auf, die dort auf friedliche Weise gegen die Regierung protestieren. Bis zum Dienstagmorgen hatten die allermeisten Menschen den Flughafen verlassen, lediglich rund 50 harrten in dem Gebäude aus und protestierten weiter. Die Flughafenverwaltung hat die Demonstranten für die Schließung des mit rund 73 Millionen jährlichen Passagieren achtgrößten Flughafens der Welt am Montag verantwortlich gemacht.

Regenschirme, schwarze Kleidung, Augenbinden: Die Hongkong-Proteste haben viele Symbole.
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Die Demonstrationen am Airport sind Teil einer größeren Protestbewegung, die in den vergangenen Wochen immer wieder Teile der Millionenmetropole lahmgelegt hat. Zuletzt kam es dabei auch vermehrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und der Polizei. Nachdem eine Protestierende am Wochenende schwer am Auge verletzt wurde, trugen viele Demonstranten aus Solidarität Augenbinden.

Peking spricht von "Terrorismus"

In der chinesischen Regierung werden inzwischen Vergleiche zum Terrorismus gezogen. Das schürt Sorgen, dass die Sicherheitskräfte demnächst härter durchgreifen könnten. Ein Vertreter der US-Regierung rief alle Seiten dazu auf, auf Gewalt zu verzichten. Der Mehrheitsführer der Republikanischen Partei im US-Senat, Mitch McConnell, erklärte, ein Einsatz von Gewalt gegen die Demonstranten wäre vollkommen inakzeptabel. Er lobte die Demonstranten dafür, dass sie sich der Kommunistischen Partei Chinas mutig entgegenstellten.

Der Polizei wird ein immer brutaleres Vorgehen gegen die Demonstranten vorgeworfen. Die Aufnahmen zeigen, wie sie Demonstranten in einer U-Bahn-Station in Hongkong verfolgt.
DER STANDARD

Trotz schwerer Kritik von Demonstranten und Vorwürfen von ausufernder Polizeigewalt hat sich Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hinter die Sicherheitskräfte der Stadt gestellt. Die Polizei habe in den vergangenen zwei Monaten "große Schwierigkeiten gehabt, das Gesetz durchzusetzen", sagte Lam am Dienstag vor Journalisten.

Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone halten bereits seit zweieinhalb Monaten an. Sie richteten sich ursprünglich vor allem gegen ein – später auf Eis gelegtes – Auslieferungsgesetz, das die Überstellung von Verdächtigen an Festlandchina erlaubt hätte. Die Demonstrationen weiteten sich danach zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in Hongkong und für mehr Demokratie aus. Der früheren britischen Kronkolonie Hongkong wurden nach der Übergabe an China 1997 besondere Rechte wie das der freien Meinungsäußerung eingeräumt. Diese Rechte sehen die Regierungskritiker nun gefährdet. (APA, Reuters, red, 13.8.2019)