Vom Publikum gefeierter, von vielen Kolleginnen gefürchteter Startenor: Plácido Domingo.

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Mittlerweile hat sich Patricia Wulf von der Bühne zurückgezogen. 1998 sang sie in der "Zauberflöte" mit Placido Domingo – und erhebt nun Vorwürfe.

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Mehrere Frauen werfen dem Opernsänger Plácido Domingo sexuelle Belästigung vor, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Zu Wort gemeldet haben sich acht Sängerinnen und eine Tänzerin. Eine Betroffene erklärte, Domingo habe seine Hand unter ihren Rock gesteckt, andere berichten, er habe sie mit Küssen auf den Mund bedrängt – in Umkleiden, Hotelzimmern oder beim Lunch. "Ein Geschäftsessen ist nicht seltsam, aber wenn jemand währenddessen versucht, deine Hand zu halten oder seine Hand auf dein Knie zu legen, ist das seltsam", sagt eine der Frauen. "Er hat einen immer irgendwie berührt oder geküsst."

Auch weitere Frauen erzählten laut AP auf ähnliche Weise von Annäherungsversuchen, bei denen sie sich unwohl gefühlt hätten. Domingo hätte sie nachts auch wiederholt zu Hause angerufen und sie zu Drinks und Abendessen aufgefordert oder ihnen ein Treffen im Hotel oder seiner Wohnung vorgeschlagen mit dem Angebot, ihnen beruflich Ratschläge zu geben. Die meisten befanden sich damals am Anfang ihrer Karriere.

Viele Frauen berichteten, sie seien von Kollegen gewarnt worden, nie mit Domingo allein zu sein, nicht einmal im Aufzug. Wenn sie mit ihm essen gehen würden, sollten sie dabei keinen Alkohol trinken. Manche von ihnen hätten nicht einmal mehr die Damentoilette in der Nähe von Domingos Büro benutzt. Zudem sprach die Nachrichtenagentur AP mit weiteren Künstlern, Backstage-Personal und Orchestermusikern, die erklärten, Zeuge unangemessenen Verhaltens geworden zu sein.

Domingo beteuert gute Absichten

Domingo selbst weist gegenüber AP die namenlos erhobenen Vorwürfe, die zum teil 30 Jahre zurückreichen, zurück: Sie seien verstörend und – so wie sie dargestellt worden seien – falsch. Dennoch sei es "schmerzhaft, dass ich jemanden verärgert haben soll oder sich jemand wegen mir unwohl gefühlt hat – egal wie lange es zurückliegt oder wie gut meine Absichten waren". Alle Handlungen und Beziehungen seinerseits seien einvernehmlich und gewünscht gewesen. Er erkenne aber an, dass die Maßstäbe heute andere seien als früher.

Einige der betroffenen Frauen erklärten weiters, dass sie, nachdem sie Domingo zurückgewiesen hätten, ihnen zuvor versprochene Rollen nicht bekommen hätten oder nie wieder für Auftritte mit ihm engagiert worden seien. Eine Sängerin, die mit Domingo geschlafen hat, erklärte, nach viel Kopfzerbrechen habe sie ihm irgendwann nachgegeben. Er habe ihr gegenüber seinen "Aberglauben, er müsste vor einem Auftritt mit einer Frau schlafen", erwähnt. Das helfe ihm zu entspannen und seine Nerven zu beruhigen. "Ich werde besser singen – nur wegen dir", habe er zu ihr gesagt.

Als einzige veröffentlichte Sängerin Patricia Wulf ihren Namen, die anderen baten um Anonymität aus Sorge um ihre Karrieren oder vor öffentlichen Schmähungen. Domingo zählt zu den mächtigsten Figuren in der Opernwelt. Gegen ihn Vorwürfe zu erheben sei der wirkungsvollste Weg, gegen sexuelles Fehlverhalten im Opernbetrieb vorzugehen, erklärten einige der Frauen. (red, 13.8.2019)