KTM, oberösterreichischer "Leitbetrieb" mit gefördertem Museum.

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Im Gastkommentar konstatiert Musiker und Musikpädagoge Peter Trefflinger, dass sich in nur vier Jahren die Haltung gegenüber der Kulturförderung stark verändert hat.

Mit Sicherheit war es nicht die Absicht des oberösterreichischen Landeshauptmanns Thomas Stelzer, die heimischen Kulturvereine und -initiativen brutal auszuhungern und gleichzeitig das Füllhorn über den Museumsambitionen zweier höchst erfolgreicher Betriebe im Land, sogenannter "Leitbetriebe", auszuschütten (KTM und Backaldrin). Dass jedoch die Großzügigkeit eines Beschlusses zur Förderung des KTM-Museums aus dem Jahr 2015 ausgerechnet in einer Zeit weithin sichtbar wird, in der unzählige Kulturinitiativen im Land ob der Enns ums Überleben kämpfen oder gerade sterben, zeigt, wie stark sich die Haltung gegenüber der Kulturförderung in nur vier Jahren verändert hat.

Hielt der Amtsvorgänger Josef Pühringer noch flammende Reden für die Förderung von Kunst und Kultur ("Die Frage ist nicht, ob wir uns die Kultur leisten können, sondern ob wir uns die Unkultur leisten wollen.") und sorgte für eine blühende Kulturlandschaft, eng verknüpft mit den Bildungseinrichtungen des Landes, so ist Stelzers Politik geprägt vom Blick aufs Budget und dem Willen zum Ausschöpfen von vermeintlichen Sparpotentialen im Förderwesen sowie von bedächtig vorgenommenen und doch schmerzlichen Einsparungen bei Kultureinrichtungen des Landes.

Euphorie 2013

Zwei Jahre nach der Eröffnung (2013) des Neuen Linzer Musiktheaters, in einer beinahe euphorischen Stimmung, sah wohl nicht einmal die Opposition einen Grund, die Förderung für KTM nicht durchzuwinken. Warum auch? Jeder sollte etwas vom Kuchen bekommen und schließlich waren Kultur und Wirtschaft damals kein Widerspruch; Pühringer nahm alle unter seine Fittiche.

Wenn heute über Wirtschaftsstandort und Digitalisierung gesprochen wird, erscheinen die Angelegenheiten von Kunst und Kultur wie aus einer anderen Zeit – oder Galaxie. Das ist freilich kein oberösterreichisches Spezifikum. Bei der (Bundes-)Regierungsbildung im Jahr 2017 waren die Kulturagenden das allerletzte Ressort von dem verlautbart wurde, wem es zugeschlagen wird. Beinahe hatte man glauben können, "jetzt haben sie’s vergessen". In der derzeitigen Übergangsregierung verzichtet man gänzlich auf Kultur auf Ministerebene.

Verlorener Grundkonsens

Der Grundkonsens über die Bedeutung von Kunst und Kultur für Mensch und Republik und der Wille zur Förderung dergleichen scheinen in unserem Land abhandengekommen zu sein. Unsere kulturellen Aushängeschilder werden gerne zur Repräsentation genützt und unterstützt, der Rest soll schauen, wie er durchkommt. Dabei beruft man sich auf "konkurrenzfähige Produkte", die kreiert werden müssten. Wie halt überall in der Wirtschaft eben.

Das Wissen darüber, dass Kultur und Hochkultur noch nie in der Geschichte ohne Förderung überleben oder gar aufblühen konnten, ist aus den wirtschaftlich geschulten Köpfen verschwunden. Keine Frage, dass es in einer Demokratie eine äußerst komplexe Aufgabe ist, Förderungen zu verteilen. Andere Demokratien beziehungsweise Kulturnationen wie Frankreich schaffen das jedoch auch und entwickeln gerade dadurch international konkurrenzfähige Kunstschaffende und Kulturbetriebe!

Bildung und Bedarf

Apropos geschult. Seit die ehemalige Wirtschaftsministerin öffentlich bemängelt hat, dass "die Gymnasien oft am Bedarf vorbei produzieren", darf man sich fragen, ob es überhaupt noch einen Grundkonsens über den Wert von Bildung an sich gibt. Alles eine Frage der Kultur.

Bleibt im Moment die bemerkenswerte Koinzidenz, dass höchst erfolgreiche Firmen und ihre Produkte also doch auch gern mal großzügig gefördert werden, während engagierte, oft ohnehin ehrenamtliche, Jahrzehnte bestehende Initiativen sich selbst überlassen werden. (Peter Trefflinger, 13.8.2019)